Samstag, 19. Juni 2010

Siesta (1987)

Bevor Mary Lambert mit der Stephen King-Verfilmung "Friedhof der Kuscheltiere" (1988) einen Hit landen konnte, inszenierte sie 1987 diesen bizarren Mix aus Erotik-Thriller und Roadmovie mit Mystery-Elementen.

Der Inhalt: Stuntfrau Claire (Ellen Barkin) wollte eigentlich zu PR-Zwecken mit einem Fallschirm in einen Vulkan springen, jetzt liegt sie mit einem blutbeschmierten Kleid an einer Rollbahn irgendwo in Spanien und kann sich an nichts mehr erinnern. Während sie sich auf die Suche nach den verlorenen Stunden macht (und einer schrecklichen Tat auf die Spur kommt), sieht sie Erinnerungsfetzen, die sich nach und nach zusammenfügen...

Das klingt spannend, aber die Umsetzung von Mary Lambert ist so konfus geraten, dass man als Zuschauer eher verwirrt durch die vielen Bruchstücke, Ereignisse, Rück- und Vorausblenden tappt. Formal erinnert SIESTA an die Filme von Nicolas Roeg, ein bisschen auch an Lynch. Lambert, die vom Musikvideo kam, nutzt alle möglichen technischen Tricks, um ihren Film als Kunst durchgehen zu lassen. Stilistisch ist SIESTA beeindruckend, das kann man nicht anders sagen. Die flirrende Hitze der Bilder, die kühne Erotik - verkörpert durch eine sensationell sinnliche Ellen Barkin - und ein jazzgetränkter Soundtrack von Miles Davis schaffen die wirklich greifbare Atmosphäre eines schwülen Sommer-(Alp)Traums.

Das Schauspieler-Ensemble kann sich ebenfalls sehen lassen - Jodie Foster, Grace Jones, Julian Sands, Gabriel Byrne, Isabella Rossellini und Martin Sheen - welcher Filmfreund gerät dabei nicht in Ekstase? Man fragt sich trotzdem, was sie alle in diesem merkwürdigen Film zu suchen haben.
SIESTA ist sicher kein Film für jeden Geschmack. Ich weiß selbst nicht, ob er mir nun gefällt oder nicht, er hat einige Schauwerte, ein paar Bilder sind mir nie aus dem Kopf gegangen (wie der Beginn, wenn Barkin ihr blutverschmiertes Kleid auszieht und sich nach einem Bad im Fluss zum Trocknen in die Sonne legt), man kann SIESTA aber auch leer, prätentiös und albern (sogar unfreiwillig komisch) finden, er war übrigens für mehrere Goldene Himbeeren nominiert.

Trash oder Kunst? Die Grenzen sind so fließend...

03/10

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