Dienstag, 22. Juni 2010

The Seventh Victim (1943)

Produzent Val Lewton, der für einige der ungewöhnlichsten und suggestivsten Horrorfilme der 40er wie "Cat People" und "I Walked with a Zombie" verantwortlich zeichnete, schickte Drehbuchautor Dewitt Bodeen zu einem Treffen von Satanisten, um seinen bislang düstersten Film vorzubereiten: THE SEVENTH VICTIM.
Lewton, der sich in all seinen Filmen besessen von Tod und Morbidität zeigte, wählte als Regisseur für dieses Schreckensgemälde nicht wie üblich Jacques Tourneur, sondern den Cutter Mark Robson aus, der hier sein Regiedebüt gab.

Der Inhalt: die junge Mary Gibson (Kim Hunter) verlässt die sicheren Mauern eines Internats, um in der Großstadt New York ihre Schwester Jacqueline (Jean Brooks) zu suchen, die auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Offenbar steht sie mit einem Teufelskult in Verbindung, der sie in den Selbstmord treiben will. Mary findet einige Helfer auf ihrer Reise durch die nächtliche Hölle, doch auch sie können Jacquelines Schicksal nicht verhindern...

THE SEVENTH VICTIM genießt einen extrem guten Ruf (auch, weil er nie in Deutschland gezeigt wurde), dem er vielleicht nicht ganz gerecht werden kann, dennoch handelt es sich um einen atemberaubend beklemmenden Film, der dem Wort "Noir" ganz neue Bedeutung gibt. Anspielungen auf Hölle, Tod und Verzweiflung stecken in allen Details, vom Restaurant "Dante", das eine zentrale Rolle spielt, bis zum abschließenden John Donne-Zitat "I run to death, and death meets me es fast, and all my pleasures are like yesterday".
Humor ist nicht einmal im Ansatz vorhanden, einige Nebencharaktere bleiben unvergesslich, wie die todkranke Prostituierte, die über dem "Dante" wohnt und für einen letzten Spaziergang das Haus verlässt, nachdem sie einen wundervollen Monolog über den Tod gehalten hat.

Die Darsteller, darunter Bekannte aus den Lewton-Produktionen wie Tom Conway ("Cat People"), fügen sich perfekt in das stimmungsvolle Schwarz des Gesamtkunstwerks, herausragend aber ist Jean Brooks als geisterhafte Jacqueline. Ähnlich wie Conways somnambule Ehefrau in "Ich folgte einem Zombie" ist sie eine tragische und gleichzeitig beängstigende Figur. Sie taucht erst spät auf, Frisur und Aufmachung erinnern nicht von ungefähr an eine weitere Brooks, nämlich Louise, sie wirkt wie eine Untote, die aus den Stummfilmen übrig geblieben ist.

THE SEVENTH VICTIM fehlt es ein wenig an Tempo und an schlüssiger Konstruktion (einige Plot-Details bleiben merkwürdig ungeklärt), doch er bietet wundervolle Momente wie Kim Hunters Begegnung mit einigen düsteren Gestalten in der leeren U-Bahn, die einen Betrunkenen in ihrer Mitte stützen, bis sich herausstellt, dass er weniger betrunken als ermordet ist, oder eine Zusammenkunft von Satanisten (die Autor Dewitt Bodeen nach seiner oben erwähnten, realen Erfahrung nachstellte), welche interessanterweise nicht als Psychopathen dargestellt werden, sondern als alltägliche, höfliche Gesellen, von denen an sich keine Bedrohung ausgeht. Damit ist THE SEVENTH VICTIM der Vorreiter von späteren Meisterwerken wie Polanskis "Rosemary's Baby". Und nicht nur das - beinahe 20 Jahre vor "Psycho" inszeniert Robson hier eine Duschszene, in der ein unheimlicher Schatten hinter dem Duschvorhang auftaucht (fast 1:1 von Hitchcock übernommen!). Und wenn Jean Brooks von einem Satanisten mit blitzendem Messer durch die menschenleeren nächtlichen Straßen gejagt wird, sollte man als Zuschauer starke Nerven haben. Nichts aber in THE SEVENTH VICTIM übertrifft das Ende, das so makaber und bitter gelungen ist, dass es für mehr als eine Gänsehaut sorgt.

THE SEVENTH VICTIM gehört zu den großen Horrorfilmen der 40er und ist ein Must-See für Genre-Fans.

09/10

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