Dienstag, 22. Juni 2010

Samen des Bösen (1981)

Preisfrage: Wie großartig ist Ridley Scotts "Alien"? Antwort:
So
großartig, dass man sogar die unzähligen schlechten Nachahmer (bis heute) dafür in Kauf nimmt. Auch diesen hier, der zu den geschmacklosesten, billigsten und unterhaltsamsten Kopien gehört: SAMEN DES BÖSEN (Inseminoid), in dem es allerdings nicht um teuflische Sexspiele ohne Verhütungsmittel geht, wie der deutsche Titel suggeriert.

Um Sex im weitesten Sinne geht es schon, und zwar den zwischen einem Alien und der Astronautin Judy Geeson, die mit ihrer Crew unterwegs durchs All auf einem merkwürdig purpurfarbenen Planeten landet, um dort archäologische Forschungen zu betreiben, dort aber von Außerirdischen entführt und von einem unheimlichen Wesen geschwängert wird. Kurz darauf bläht sich nicht nur ihr Bauch auf, sondern sie entwickelt eine geifernde Mordlust, und die Kollegen müssen kämpfen, um die Schwangere aus der Hölle abzuwehren...

Klingt doch ganz lustig, ist es auch stellenweise. Sets und Ausstattung sind lächerlich, die "Alien"-Abgucker offensichtlich, ein bisschen Gänsehaut kann SAMEN DES BÖSEN durch die Musik von John Scott und eine kühle Atmosphäre erzeugen. Die blutigen Spezialeffekte halten sich leider dank des niedrigen Budgets in Grenzen, niedlich aber sind die explosiven Kühlschrankmagneten, die Judy Geeson in der Weltraumstation verteilt, um an die letzten überlebenden Teammitglieder heranzukommen, die sich verschanzt haben.

Der wissenschaftliche "Fachjargon", den die flachen Charaktere von sich geben, ist stets unfreiwillig komisch. Als Zuschauer bekommt man nie einen Überblick, wie viele Leute eigentlich zur Crew gehören, wer noch übrig ist, und wer welche Position besetzt. Sehr viele Passagen spielen in einer unterirdischen Mine, es wird viel gerannt, gestolpert und hingefallen. Regisseur Norman J. Warren beweist ein wenig Fantasie in der Farbgebung und einigen bizarren Set Pieces, die SAMEN DES BÖSEN so herrlich konsumierbar machen.

Die drittklassigen Darsteller versuchen durchweg, todernst zu bleiben. Unter ihnen befinden sich auch die spätere 'Mrs. Steve Martin', Victoria Tenant, sowie das "Colbys"-Miststück Stephanie Beacham, die schon in "Dracula jagt Mini-Mädchen" (1972) vom berühmten Blutsauger verfolgt wurde und nun in die Hände einer grausamen Schwangeren fällt.
Judy Geeson, ansonsten eine verlässliche britische Darstellerin, verbringt die meiste Filmzeit nach der außerirdischen Befruchtung damit, vor Schmerzen zu schreien (das schnelle Wachstum ihrer Brut tut offensichtlich weh), was bereits nach 20 Minuten unglaublich nervt. Die finale Geburtsszene, in der sie die Alien-Zwillinge zur Welt bringt, ist kaum auszuhalten vor lauter Gekreische.

Wer nach Weltraum-Horror sucht, sollte gleich zu "Alien" greifen - es gab, gibt und wird nie einen besseren Sci-Fi-Horrorfilm geben. Wer die kleine, böse und etwas zurückgebliebene Halbschwester von "Alien" sehen will, der kann dem "Samen des Bösen" einen Besuch abstatten.

05/10

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