Freitag, 11. Juni 2010

Ruinen (2008)

Autor Scott Smith adaptierte für diesen Horror-Schocker seinen Bestseller "Ruins" ("Dickicht"), Regie führte erstmals Werbe-Regisseur Carter Smith. Erzählt wird von einer Gruppe junger Touristen in Mexiko, die sich eine mysteriöse Maya-Pyramide ansehen wollen. Dort angekommen, stoßen sie auf seltsam aggressive Dschungelbewohner, Leichen und beängstigende Pflanzen, die ein Eigenleben zu führen scheinen...

Aus dem Gros des Horrorkinos kann RUINEN zwar nicht unbedingt herausragen, aber er bietet doch einige nette Einfälle. So sind die mörderischen Pflanzen eine originellere Bedrohung als ein x-beliebiger Irrer mit Hackebeil und tricktechnisch hervorragend umgesetzt. Das gilt auch für die gesamte Kamera-Arbeit von Darius Khondji.
Das Setting - der mexikanische Dschungel (gedreht wurde im australischen Queensland) - wird ebenfalls gut genutzt. Zudem spielt RUINEN mit mehreren Urängsten und kann so einen psychologischen Horror erzeugen, den man durchaus nicht mehr häufig findet. Die Touristen sind von der Zivilisation abgeschnitten, haben kaum Wasser- und Nahrungsvorräte, geschweige denn Medikamente, und sind gezwungen, auf der Pyramide auf Rettung warten, die nie kommt. Sie müssen außerdem eine Amputation ohne Betäubung durchführen (die wohl absurdeste, aber auch schmerzhafteste Sequenz) und erkennen, dass sich die Pflanzen teilweise in ihren Körpern eingenistet haben - der wohl größte Horror für viele. Humor ist nicht vorhanden, die Atmosphäre bleibt nach der Ankunft bei der Pyramide dicht und intensiv.

Geschmälert wird der positive Eindruck durch eine zu lange und belanglose Exposition, in der wir die Protagonisten am Hotelpool und am Strand kennen lernen, und in welcher der Film nur so dahinplätschert. Neben den soliden Jungdarstellern sorgt leider Joe Anderson für Magenschmerzen - er soll einen Deutschen namens "Matthias" spielen, und sein Möchtegern-Akzent ist so furchtbar, dass sich die Zehennägel aufrollen (er sagt immer "Ja" statt "Yes", als wüsste nicht jedes Kind, dass es "Yes" heißt, selbst wenn es kein weiteres Wort Englisch spricht. Und wenn er seinen toten Freund im Gebüsch findet, ruft er andauernd "Warum?" - oje).
Auch später stellen sich immer wieder Längen ein, in denen sich der Film zwar bemüht, die Situation der Touristen ernst zu nehmen, sie aber zu viel wimmern, diskutieren und herumsitzen lässt. Mehrere Logik-Löcher werden ebenfalls übersehen, aber das sollte in einem Horrorfilm nicht wirklich stören.

Dafür bietet RUINEN eine beeindruckende Sequenz, in der die weiblichen Charaktere in eine Grube abgeseilt werden, in welcher sich möglicherweise ein funktionierendes Handy befindet. Dort stoßen sie im Dunkeln auf mehrere unangenehme Überraschungen...

Insgesamt handelt es sich bei RUINEN nicht um ein Horror-Highlight, er kann aber über seine Lauflänge gut unterhalten und sorgt für die eine oder andere Gänsehaut auf mehreren Ebenen. Ich war selbst überrascht, dass ich ihn mochte, aber ich habe auch seit "Day of the Triffids" eine Vorliebe für tödliches Gewächs. Man weiß ja nie, was in Pflanzen so vor sich geht...

06/10

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