Sonntag, 27. Juni 2010

The Lonely Lady (1983)

Enthüllungs-Filme über die Skandale hinter den Kulissen des Showbusiness schreien danach, Trash-Klassiker zu werden ("Valley of the Dolls", 1967, "Showgirls", 1995). Und so ist auch THE LONELY LADY, nach einem Schund-Bestseller von Harold Robbins, eine einzige Peinlichkeit von vorne bis hinten, ein Film, der so oft ausgelacht, ausgebuht und verrissen wurde, dass es schon an Leichenfledderei grenzt, ihn zu besprechen.

Aber auf der anderen Seite - warum nicht?

Die Probleme beginnen mit der Hauptrolle - Pia Zadora. Was auch immer Zadoras Multimillionär-Ehemann an seiner Frau gefunden haben mag, Talent besitzt sie weder als Schauspielerin noch als Sängerin, trotzdem aber belästigte sie die Welt in den 80ern unentwegt mit ihrer Präsenz - ähnlich wie heute Paris Hilton, nur dass Zadora wirklich niemand sehen wollte.

In THE LONELY LADY spielt Zadora eine junge Autorin, die einen Schülerpreis gewinnt (Zadora als High School -Absolventin mit Zöpfchen, ein Brüller der besonderen Art) und in Hollywood Karriere als Drehbuchautorin machen will. Auf einer ausufernden Party wird sie von einem sehr jungen Ray Liotta (der wahrscheinlich THE LONELY LADY gern aus seiner Filmografie streichen würde) mit einem Gartenschlauch vergewaltigt - der erste "Höhepunkt" dieses Schundfilms. Danach heiratet sie den 50 Jahre älteren Lloyd Bochner (das ist der ältere Herr, der im "Denver-Clan" von seiner fiesen Gattin Alexis zu Tode ge...äh...dingst wurde), beginnt ein Verhältnis mit dem verheirateten Schauspieler Jared Martin (bekannt aus "Dallas"), verfällt dem Alkohol, wandert von einem Bett zum nächsten, konsumiert Drogen, lässt eine Abtreibung vornehmen und landet schließlich einen Riesenhit, für den sie erneut einen Preis bekommt (immer schön, wenn sich die Kreise schließen). Auf der Preisverleihung erklärt sie der ganzen Welt (Drehbuchpreise werden hier grundsätzlich live über den ganzen Erdball übertragen), dass sie sich nach oben geschlafen hat und keine Selbstachtung mehr besitzt (natürlich nicht, sie ist Pia Zadora!), bevor sie vom Publikum hinausgebuht wird.

Die Weltsicht von Harold Robbins ist folgendermaßen zusammenzufassen: Alle Männer sind Schweine, und alle Frauen nymphoman. Punkt. Wahrscheinlich ist er nicht oft rausgekommen, aber seine Bücher wurden allesamt Beststeller. Die Verfilmungen sind Trash-Ikonen, von denen THE LONELY LADY wohl die dümmste ist. Die Highlights: Pia nackig auf einem Billardtisch, während ihr ebenfalls nackter Lover die Kugeln stößt (ähem), Pia angezogen unter der Dusche (da hat sie wohl etwas durcheinander bekommen), Pia - dem Wahnsinn nahe - mit Visionen von Schreibmaschinen-Tasten, die sich in Gesichter verwandeln, Pia und Lloyd Bochner bei der Klärung ihrer Ehe (er nimmt den Gartenschlauch und fragt: "Or is this more your kick?"), sowie Pias erste Begegnung mit Rüpel Ray Liotta (der ihren Schülerpreis anschaut und sagt: "Looks like a penis!").

Dazu wird an jeder passenden und unpassenden Stelle ein Popsong eingespielt, ganz besonders der Titelsong zieht einem die Schuhe aus. Pia Zadora wechselt niemals ihren Püppchen-Gesichtsausdruck (im Grunde sieht sie wie eine aufblasbare Sex-Puppe aus, insofern stimmt die Besetzung), alle übrigen Darsteller verzichten dankend auf Großaufnahmen, weil Freunde und Bekannte sie erkennen könnten. Inszeniert ist THE LONELY LADY wie eine Folge aus dem "Denver-Clan", alle Szenen spielen entweder in Restaurants, Schlafzimmern oder auf Parties.
Die Passagen, in denen Pias "Schreibtalent" erzählt wird, sind herrlich absurd - so besteht ihre größte Leistung als Autorin darin, bei einer Beerdigungs-Szene die Hauptdarstellerin "WARUM?" schreien zu lassen, bevor diese sich auf den Sarg wirft - was angeblich alle Kritiker im Film zu Lobeshymnen hinreißt. Äh, ja, ich glaube kaum...

Das gute, alte Europa bekommt auch noch sein Fett weg. Als Pia nämlich von Hollywood genug hat, geht sie kurz nach Italien, um ihr Drehbuch zu verkaufen, trifft dort Produzent Carlo Peroni (nein, nicht Peperoni, obwohl er gleich scharf auf Pia ist) und wird von dessen lesbischer Ehefrau gleich angebaggert und zum Dreier genötigt (nach welchem die o.a. angezogene Dusche folgt, weil Pia sich so schmutzig fühlt). Merke: die Amerikaner treiben es zwar wild, aber die Europäer sind pervers!

Ich empfehle THE LONELY LADY in einer Doppelvorstellung mit "Tal der Puppen". Garanten für einen geilen Abend.

02/10

Kommentare:

  1. ach watne schöne Rezension! kann man so schön kichern, muss man nich mal den Film gucken. herrlich! "when the brain begins to fall..."

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  2. KICHER

    The Brain? Da war doch was mit Woody Allen...

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