Freitag, 4. Juni 2010

Iron Man (2008)

Die im Kino außerordentlich erfolgreiche Comic-Verfilmung IRON MAN von Jon Favreau bietet ordentliches Popcorn-Kino und verspricht anfangs einen ironischen Umgang mit Genre-Konventionen, wird aber mit zunehmender Laufzeit immer vorhersehbarer und huldigt schließlich doch einer 08/15-Dramaturgie und dem enttäuschend bekannten Gut/Böse-Schema Hollywoods.

Die Story: Robert Downey jr. spielt einen erfolgreichen Waffenfabrikanten, der bei einem Afghanistan-Besuch von Taliban entführt wird und sich nur dank seiner Technik-Kenntnisse und einem selbst gebauten Panzer-Anzug mit Düsenantrieb (nennen wir es mal so) befreien kann. Zurück in den USA verkündet er, zukünftig keine Waffen mehr zu bauen. Er perfektioniert seinen Eisenanzug und macht sich auf die Jagd nach den Feinden, ohne zu merken, dass sein größter Widersacher ganz dicht an seiner Seite ist...

Das Gute zuerst: Die ungewöhnliche Besetzung der Titelfigur mit Robert Downey jr. ist das größte Trumpf-Ass des Films. Nicht nur ist er älter als der typische Hollywood-Actionheld, er weist deutlich mehr Kanten plus Charisma auf und besitzt ein gutes Gespür für Sarkasmus. Er bringt viel Leben und Humor in den Film, ganz besonders in den Anfangspassagen, wenn er wie ein Maschinengewehr drauflosplappert und für alles einen zynischen Spruch parat hat. Ich habe sehr über die tanzenden Stewardessen im Privatjet gelacht.

IRON MAN verzichtet zudem wohltuend auf den Pseudo-Anspruch, den andere Comic-Verfilmungen gern bedienen und dann von aller Welt überschätzt werden (ähem, wie... "Dark Kn..." nein, ich darf das nicht sagen!), das Drehbuch weist trotz eines küchenpsychologischen Ansatzes (Downey kann dem Schatten seines toten Vaters erst entfliehen, als er sich auf die gute Seite stellt) genügend Humor auf, um unangemessenem Pathos oft zu entgehen. Leider nicht immer.

Regisseur Jon Favreau erzählt zu Beginn flott und abwechslungsreich, doch sein Film lässt wie aufs Stichwort nach Downeys Rückkehr in die USA abrupt nach. Plötzlich befinden wir uns in der x-ten Comic-Verfilmung, alles wie gehabt. Downey probiert seinen neuen Anzug aus, entdeckt seine Stärken, stößt auf Fehler, es gibt ein bisschen Slapstick, dann kommt die erste "große" Action-Sequenz, es wird viel geredet, und dann ist auch schon das Finale dran, welches nicht spektakulärer oder spannender ausfällt als man erwarten würde. Praktisch alles bleibt schrecklich vorhersehbar - man weiß sofort, wer Downeys versteckter Widersacher ist, man weiß, wie sich die Romanze zwischen Downey und seiner Assistentin Gwyneth Paltrow entwickelt, und wenn Paltrow geheime Daten von einem Laptop kopiert, weiß jedes Kind, wer gleich durch die Tür kommt und sie erwischt.

Die Dialoge werden immer schwächer, und man sieht es Robert Downey jr. förmlich an, mit welchem Widerwillen er Sätze sagt wie "Ich weiß jetzt, was meine Aufgabe ist". Dazu kommt ein penetrantes Product Placement (nach seiner Gefangenschaft will Downey nur eins - einen Cheeseburger, und wir sehen auch genau, von welcher Fast Food-Kette er diesen bekommt), und am unangenehmsten stößt die Verlogenheit auf, die sich durch den Film zieht. IRON MAN erzählt von einem Waffenhändler, der sein Gewissen entdeckt, der Film selbst aber ist fasziniert von Kampfhubschraubern in Slow-Motion und endlosem Waffengeballer. Das Militär wird durchweg als Ort der Freundschaft und Rettung gezeichnet, und sogar der Vertreter der obskuren "Homeland Security" (Clark Gregg) ist ein Sympathieträger, der den Helden zur Seite steht. Im Abspann wird sich beim Pentagon bedankt - ja, vielen Dank auch.

Nun könnte man - wie viele - sagen, dies ist Popcorn-Kino, da spielen solche Dinge keine Rolle. Mainstream-Unterhaltung gut und schön, aber es geht auch anders. Wer das nicht glaubt, kann sich Ang Lees "Hulk" ansehen, eine Comic-Verfilmung, die auch ihre Schwächen hat, in der aber Gut und Böse differenziert dargestellt werden und keine Militär-Verehrung betrieben wird, im Gegenteil.

Viel mehr ist nicht zu sagen. Gwyneth Paltrow wird ein bisschen verschenkt. Man erwartet stets, dass sie etwas Überraschendes tut, was aber nie passiert. Dafür sieht sie zauberhaft aus - und sehr dünn (wann hat sie wohl zum letzten Mal etwas gegessen? In den 90ern?).
Jeff Bridges ist immer sehenswert, er hinterlässt aber als Widersacher auch keinen unvergesslichen Eindruck. Solide. Alles andere ist bekannt, die Taliban sind die Bösen und tragen Bärte und Glatzen, ihre Opfer sind grundsätzlich arme Frauen mit Kopftüchern und kulleräugige Kinder, die Amerikaner sind zwar manchmal korrupt, haben aber die bessere Technologie und wissen, wer sich im Recht befindet. Hurra!

Auf andere Unlogiken wie Robert Downeys gespieltes Entsetzen, als er merkt, dass seine Waffen auch vom Feind benutzt werden (ach nee...) will ich nicht näher eingehen, weil sie nebensächlich sind. In erster Linie will IRON MAN unterhalten. Der Film bietet über weite Strecken gutes Tempo, Witz, hervorragende Effekte und Action-Sequenzen. Wer mehr möchte, der könnte enttäuscht werden, wem das reicht, der ist hier genau richtig.

06/10

1 Kommentar:

  1. wieder mal ne schöne Rezension! - die Metapher von Robert Downeys neuem Leuchte- Herz könnte man noch erwähnen, die auch einer gewissen Aufdringlichkeit nicht entbehrt. Ist es nicht schön, wenn Gwyneth sich endlich das schicke Ding schnappt und damit bei ihm rumfummelt? - Die Frage, die der Film leider nicht beantwortet: was will Robert Downey eigentlich ursprünglich in Afghanistan? Ich vermute, ihm ist der Nachschub ausgegangen und er muss mal nach seinen Mohnplantagen gucken... Oder?

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...