Samstag, 26. Juni 2010

Inferno 2000 (1977)

Italienische Regisseure haben nie einen US-Kinohit gesehen, den sie nicht umgehend imitieren wollten.
Alberto de Martino kopierte bereits mit seinem "L'Anticristo" (1974) schamlos den "Exorzist", drei Jahre später recycelte er mit INFERNO 2000 ("Holocaust 2000" oder "The Chosen", als US-DVD unter dem Titel "Rain of Fire" veröffentlicht) ebenso dreist "Das Omen" (1976).

Kirk Douglas, seit De Palmas "Teufelskreis Alpha" (1978) Horror-erprobt, spielt in diesem Okkult-Thriller einen mächtigen Industriellen, der gerade im Begriff steht, im mittleren Osten ein Atomkraftwerk zu bauen, und das ausgerechnet in der Nähe einer heiligen Stätte. Als sich aber mehrere bizarre Todesfälle ereignen und er schließlich erfährt, dass es sich bei seinem eigenen Sohn (Simon Ward) um den Antichristen handelt (man erfährt so etwas immer als letzter!), welcher mit einer Sprengung des Reaktors das Ende der Welt einläuten will, muss Kirk handeln...

Spartacus gegen den Sohn des Satans - wenn das kein Konzept ist!
Hauptattraktion von "Das Omen" waren die einfallsreichen Todesarten, und Alberto de Martino wiederholt dieses Rezept in INFERNO 2000 ohne Rücksicht auf Verluste. Auch wenn er spannungsmäßig nicht mit dem Vorbild mithalten kann, inszeniert er einige spektakuläre Sequenzen: ein Premierminister auf Staatsbesuch wird durch ein Hubschrauber-Rotorblatt um einen halben Kopf kürzer gemacht, der Insasse einer Nervenheilanstalt schneidet sich mit einer zerbrochenen Brille die Pulsadern auf, Wissenschaftler Anthony Quayle wird von einer elektrischen Glastür zerquetscht. Wirklich trashig wird der Film, als Douglas merkwürdige Alpträume entwickelt, in denen er splitternackt durch eine Salzwüste rennt (mitsamt faltigem Hinterteil) und von siebenköpfigen Ungeheuern (das geplante Kernkraftwerk sieht so ähnlich aus) verfolgt wird, die aus dem Meer steigen.

Für die erste Stunde läuft INFERNO 2000 auf Hochtouren, danach nimmt er plötzlich einen Umweg und erzählt "Rosemaries Baby" (1968). Schon blöd, wenn man nicht mehr weiß, welchen Film man gerade kopiert. Das ist alles wahnsinnig unterhaltsam, und Alberto de Martinos Anspielungen auf die Bibel sind ebenso offensichtlich wie lustig - so stellt er z.B. eine Aufsichtsratsitzung dem letzten Abendmahl nach. Kirk Douglas' Präsenz verleiht dem Film eine gewisse Respektabilität, Simon Ward ist ein wundervoll eiskalter Antichrist, und Ennio Morricones Soundtrack ist besser als seine "Exorzist II"-Komposition.

Vom Ende übrigens existieren zwei Fassungen. In einer flüchtet sich Douglas mit seiner Geliebten in eine Art Hippie-Leben abseits von Zivilisation und Kapitalismus (da stand wohl Antonioni Pate), in der anderen sprengt Douglas eine Aufsichtsratsitzung mitsamt seinem Sohn in die Luft.

Alles in allem italienisches Retorten-Kino, aber mit schöner 70er-Atmosphäre und Schmackes.

08/10

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