Dienstag, 8. Juni 2010

Fegefeuer (1953)


William Somerset Maughams Novelle "Rain" wurde bereits 1928 als Stummfilm mit Gloria Swanson ("Sadie Thompson") und 1932 mit Joan Crawford ("Rain") verfilmt. 1953 versuchte Hollywood verzweifelt, die Zuschauer von den TV-Geräten weg in die Kinos zu locken, und so produzierte man eine weitere Version des populären Stoffes als "Miss Sadie Thompson" (FEGEFEUER) in 3-D!

Die Story ist im Prinzip die gleiche geblieben: auf einem Militärstützpunkt in der Südsee trifft die leichtlebige Sadie Thompson (Rita Hayworth) ein und macht alle Kerle verrückt, darunter auch den Missionar Davidson (José Ferrer), der Sadie zunächst zu einem besseren Leben bekehren will, sich dann verliebt und schließlich aus Schuldgefühlen heraus umbringt.

FEGEFEUER ist eine Geschichte über Moral und Doppelmoral, insbesondere christlich-religiöse. Dass Hollywood in den 50ern dafür nicht ganz der geeignete Platz ist, wird schnell klar, wenn sich herausstellt, dass Sadie Thompson keine Prostituierte ist, was sie sowohl in der Romanvorlage als auch in beiden früheren Filmversionen war. Hier ist Sadie nur ein sexy Wirbelwind in feschen Kleidern, der Schwung in den Männerbetrieb bringt. Dementsprechend zahnlos bleiben auch die Dialogszenen und Auseinandersetzungen zwischen Hayworth und Missionar Ferrer. FEGEFEUER ist kein Drama, sondern ein musikalischer Unterhaltungsfilm und als solcher relativ belanglos.

Rita Hayworth befindet sich hier bereits ein bisschen über ihrem Zenit, sie ist zwar immer noch schön anzuschauen, wirkt aber auch stellenweise erschöpft und matt. Ihre große Musiknummer "The Heat Is On" ist immer noch klasse, ansonsten aber wird ihr Potential nicht ausgeschöpft, zu sehr ist Regisseur Curtis Bernhardt damit beschäftigt, die Sadie sympathisch zu machen (gleich nach ihrer Ankunft singt sie den Inselkindern vor - eine Sequenz, die wegen des Zuckergehalts heftiges Magengrummeln verursacht).

Neben Hayworth kann besonders Aldo Ray als Sgt. O'Hara begeistern, er besitzt genau die vierschrötige Schlichtheit und physische Präsenz, die die Rolle verlangt. Seine stets heisere Originalstimme wird übrigens in der Synchronfassung erfolglos nachgeahmt. Die größte Fehlbesetzung ist José Ferrer, einer der meistüberschätzten Schauspieler aller Zeiten. Sein Missionar soll zwar die unterschwelligen Leidenschaften und Gefühle unterdrücken, aber Ferrer geht wie ein emotionsloser Pfau durch den Film und wirkt nur uninteressant. Er wird durch seinen Synchronsprecher O.E. Hasse deutlich aufgewertet.
Anders gesagt, ich als Sadie hätte gleich Aldo Ray genommen und keine Minute mit diesem öden Prediger verbracht, aber jeder wie er will.

Was FEGEFEUER noch zu bieten hat, ist eine fantastische Südsee-Location, die zu wenig genutzt wird. Die Innenaufnahmen entstanden sämtlich im Studio und sehen auch so aus. Die permanente Hitze und Schwüle wird allerdings gut bespielt, und in einer Nebenrolle ist der junge Charles Bronson zu sehen, hier noch als "Charles Buchinsky" gelistet - nicht unbedingt ein Name, mit dem man in Hollywood Karriere machen kann.

Fans von Hollywood-Filmen der 50er können bedenkenlos zugreifen, sollten aber nicht zuviel erwarten. Der Humor ist angestaubt (bei Sadies Ankunft werden gefühlte 10 müde Sprüche über ihre aufreizende Erscheinung gemacht), das Drama ebenso, die Darsteller reißen es teilweise wieder raus.
Für Hayworth-Fans ist der Film ein Muss. FEGEFEUER war ihre letzte große Star-Rolle. Nach einer Pause von vier Jahren kehrte sie zum Film zurück, konnte aber an vorige Erfolge nicht mehr anknüpfen.

06/10

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