Dienstag, 22. Juni 2010

Eine Frau steht ihren Mann (1988)

Nachdem das Stück "The Front Page" von Ben Hecht (1931) bereits mehrfach verfilmt wurde (einmal 1940 als "His Girl Friday" mit Cary Grant und Rosalind Russell, eine klassische Screwball-Comedy, und dann 1974 von Billy Wilder, mit Jack Lemmon und Walther Matthau als "Extrablatt"), nahm sich "Rambo"-Regisseur Ted Kotcheff des Stoffes an und verlegte die Handlung zeitgemäß in die Fernsehbranche.

Kathleen Turner spielt die erfolgreiche TV-Nachrichtenfrau Christy Colleran, die ihre Urlaubsbekanntschaft Blaine (Christopher Reeve) heiraten und aus dem News-Business aussteigen möchte. Ihr Ex-Mann John (Burt Reynolds), Chef der Nachrichten, will das um jeden Preis verhindern und schickt sie zu einem letzten Auftrag - ein Interview mit einem (unschuldig) zum Tode Verurteilten (Henry Gibson), welches eine Welle von Protesten und politischen Wellenschlägen auslöst. Als der Todeskandidat vor der Hinrichtung flieht und Christy ihn verstecken muss, überschlagen sich die verrückten Ereignisse...

EINE FRAU STEHT IHREN MANN (Switching Channels) kann an die berühmten Vorbilder nicht anknüpfen und war ein gewaltiger Misserfolg in den Kinos. Fairerweise muss man sagen, dass auch die Billy Wilder-Version nicht wirklich gelungen und ein Flop war.

Regisseur Ted Kotcheff weiß zwar, wie man das Tempo anzieht, was für die Geschichte zwingend notwendig ist (weil sie voller Unlogik steckt), und er weiß, wie man Action inszeniert (was im durchgedrehten Finale hilft), aber er besitzt nicht unbedingt das Gefühl für komödiantisches Timing. Die Schauspieler wirken ebenfalls allein gelassen. Burt Reynolds darf man schon als Fehlbesetzung bezeichnen, denn er kann zwar den Macho spielen, aber als Chef der Nachrichten eines großen Senders stellt man sich doch nicht gerade jemanden wie Reynolds vor. Dazu hat er sein Mindesthaltbarkeitsdatum deutlich überschritten und wirkt oft ausgezehrt. Als romantischer Partner für die starke Kathleen Turner macht er keine gute Figur, ihr gemeinsames Happy-End wirkt aufgesetzt und unglaubwürdig.

Christophe Reeve zeigt Spaß am Herumalbern und macht sich über sein Image lustig, während Kathleen Turner sich ein wenig zu sehr um Lacher bemüht und die Selbstverliebtheit ihrer Figur übertreibt. Turner befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, hatte eine Oscar-Nominierung hinter sich und mit dem "Rosenkrieg" (indem sie sehr viel kontrollierter und wesentlich komischer agiert) einen Mega-Erfolg in der Tasche. Der Misserfolg von EINE FRAU STEHT IHREN MANN hat ihr sehr geschadet, nach einigen weiteren Flops (und schwerer Krankheit) war ihre Karriere als Leading Lady beendet.
Die beste Leistung zeigt Ned Beatty als rechter, korrupter Politiker, der kurz vor der Wahl steht und alles dafür tun würde, die verhassten Nachrichtenleute loszuwerden (inklusive Erschießung).

Das Drehbuch weist nur gelegentlich den Witz auf, der die 1940-er Version zum Klassiker werden ließ, dafür schießt Ted Kotcheff scharf gegen Medien, Politik, Todesstrafe und was ihm sonst noch vor die Mündung läuft. Auch wenn dem Film die brillanten Dialoge fehlen, unterhaltsam ist er auf jeden Fall, und Langeweile entsteht dank der turbulenten Ereignisse nie. Am besten funktiniert er, wenn er geschmacklos wird - etwa, wenn sich die Geliebte des Verurteilten von einer Brüstung in den Treppenaufgang stürzt und - auf dem Boden angekommen - von Reportern mit Fragen wie "Hat es weh getan?" bestürmt wird.

Zu den Höhepunkten gehören der (absurde) Gefängnisausbruch im letzten Akt, in deren Verlauf sich der zum Tode verurteilte in einem Kopierer verstecken muss, ein Fahrstuhlausflug des unter Höhenangst leidenden Christopher Reeve, bei dem Kathleen Turner nur dank ihrer Verführungskünste eine Katastrophe verhindern kann, und das finale Shoot-Out, bei dem Ned Beatty mit seiner Spezialeinheit alles niederballert, was ihm in den Weg kommt. In der wohl besten Szene beschimpft Kathleen Turner ihren Ex Reynolds wüst im Nachrichtenstudio, muss sich aber umgehend zusammenreißen, wenn die Live-Nachrichten losgehen. Hier stimmen Tempo und Timing auf den Punkt, und Turners Stimmungswechsel ist perfekt.

EINE FRAU STEHT IHREN MANN ist in Deutschland unter so vielen verschiedenen Titeln auf Billig-DVD-Labels veröffentlicht worden, dass man komplett den Überblick verliert. Das zeigt leider deutlich, welchen Status er besitzt.

06/10

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