Samstag, 26. Juni 2010

Die Krays (1990)

"Männer sind doch ihr Leben lang Kinder", sagt Tante Rose, und in diesem Fall sind es sehr böse Kinder.

Peter Medaks DIE KRAYS (The Krays) schildert den Aufstieg und Fall der Gangster-Brüder Ronnie und Reggie Kray (Steve und Martin Kemp), die in den 60ern die Londoner Unterwelt beherrschten. Ermutigt von ihrer Mutter (Billie Whitelaw) versetzten sie die gesamte Stadt in Angst und Schrecken. Während Reggies Ehefrau (Kate Hardie) sich mit ihrer Rolle als Gangsterbraut nicht anfreunden kann und langsam dem Alkohol und Wahnsinn verfällt, versucht der homosexuelle Ronnie seine privaten Probleme mit Brutalität zu kompensieren...

Peter Medak ist mit den KRAYS ein atmosphärisches und spannendes Gangsterdrama gelungen, dem zwar die psychologische Brillanz eines "Goodfellas" oder die Exzessivität eines "Scarface" fehlt, das aber im etwas kleineren Rahmen absolut überzeugen kann. Die Besetzung ist dabei interessant gewählt. 80er-Fans kennen die Kemp-Brüder noch als Mitglieder der Pop-Band "Spandau Ballet", beide zeigen hier gute Leistungen in ihren schwierigen Rollen, wobei Gary den deutlich unterhaltsameren Part übernommen hat. Als schwuler Drogenboss mit leicht inzestuösen Neigungen (sehr deutlich bei einem Rummelplatz-Boxkampf der jungen Brüder, bei der Garys Kampflust klar sexuell motiviert ist) spielt er einen wirklich beängstigenden Psychopathen, der jederzeit zu allem fähig ist (wobei die Verbindung schwul/irre nicht unproblematisch ist), während Martin Kemp trotz seiner Taten der "gute Junge" bleibt, ein Muttersöhnchen, das sich Sorgen um seine labile Frau macht. Als Mama brilliert die wundervolle Billie Whitelaw, unvergessen als Kindermädchen des Satans in "Das Omen".

Fans von Gangsterdramen kommen bei dieser britischen Produktion absolut auf ihre Kosten. Der Film ist elegant gefilmt, gut ausgestattet und ebenso spannend wie sexy, obwohl ihm vielleicht die eine oder andere große Sequenz, die ihn nachhaltig in Erinnerung brächte, fehlt.
Im Kino ging DIE KRAYS leider unter und ist auch heute noch weitgehend unbekannt. Die deutsche Fassung ist nach wie vor ab 18 freigegeben, was man nicht wirklich nachvollziehen kann.

08/10

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