Samstag, 26. Juni 2010

Die Fürsten der Dunkelheit (1987)

Nach dem Mega-Flop "Big Trouble in Little China" besann sich John Carpenter auf seine Wurzeln und kehrte mit DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (Prince of Darkness) zu seinem geliebten B-Kino zurück. Ohne viel Geld oder Stars, unter dem kleinen Label "Alive Films", inszenierte er diese düstere, spannende Teufelsgeschichte und konnte viele Fans zurückgewinnen.

Carpenters Stamm-Darsteller Donald Pleasence (in einer seiner letzten brillanten Darstellungen) kommt als Priester einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur - im Keller einer verlassenen alten Kirche befindet sich ein verschlossenes Gefäß mit einer grünen Flüssigkeit (kurz "Lavalampe" genannt), in der angeblich seit über 2000 Jahren der Sohn des Satans gefangen gehalten wird. Mit Hilfe einer Gruppe von Wissenschafts-Studenten soll geklärt werden, um was genau es sich dabei handelt, doch der Satan hat schon mit seiner Arbeit begonnen. Die grüne Flüssigkeit infiziert einen Studenten nach dem anderen, ein Wirtskörper wird für die Wiedergeburt des Teufels auserkoren, und die Eingeschlossenen müssen um ihr Leben kämpfen...

Das klingt alles reichlich absurd, und tatsächlich bricht der Film fast unter der Last der vielen Logik-Fragen zusammen, aber eben nur fast. Carpenter nimmt das Geschehen sehr ernst, und obwohl die vielen wissenschaftlichen Erklärungen, die von Professor Victor Wong unentwegt gesprochen werden, reinster Humbug sind, wirkt die Handlung auf fantastische Weise überzeugend, weil sie sich in einem eigenen Kosmos abspielt und glaubwürdig vorgetragen wird. Carpenters Ansatz für das "Böse" als Materie funktioniert tatsächlich.

Die beklemmende Situation für die bedrohte Gruppe (man denkt wohlig an "The Fog" und "The Thing" zurück) ist hochspannend inszeniert und intensiv, die Effekte sind weniger teuer als einfallsreich. Das Finale wartet mit ein paar wundervollen Sequenzen auf. So sehen wir den Teufel (gottseidank) nie als Gestalt, sondern nur seine verschwommene Klaue, die auf der anderen Seite eines Spiegels (dem Jenseits) nach dem Diesseits greift. Die Fluchtversuche der Gruppe werden von einer Gruppe Obdachloser verhindert (angeführt von Rocker Alice Cooper). - Warum Obdachlose mit Insekten gleichgestellt werden (beide werden vom Satan kontrolliert), ist zwar nicht ganz klar, aber bei Carpenters bekannt liberaler politischer Gesinnung kann das als Fauxpas durchgehen und war sicher nicht so gemeint.

DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT bietet übrigens die wohl längste Vorspann-Sequenz der Filmgeschichte. Das Drehbuch hat Carpenter selbst unter dem Namen Martin Quatermass verfasst, eine Anspielung/Hommage an Sci-Fi-Autor Nigel Kneale ("Quatermass and the Pit").

Der Film ist kein Meisterwerk (einige der Darsteller agieren amateurhaft, und besonders Hauptdarsteller Jameson Parker mit seinem Proleten-Schnauzbart bleibt blass), doch was Spannung und Ideen anbelangt, können es nur wenige mit Carpenter aufnehmen. Kamera und Musik (wie üblich vom Meister selbst) sind gewohnt fantastisch, und eine im Blockbuster-Kino ungewohnte Bescheidenheit macht DIE FÜRSTEN zu einem der besten Horrorfilme der späten 80er.

09/10

Kommentare:

  1. Für mich ein extrem starkes Midnight-Movie...wie vieles von Carpenter. Ich empfehle übrigens weiterhin voller Überzeugung "Ghosts of Mars"...kicher.

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  2. Ich finde "Ghosts of Mars" den schwächsten Carpenter überhaupt, trotz Natasha Henstridge und Jason Statham. Von den vielen Mars-Filmen finde ich "Red Planet" noch am besten, wenngleich auch nicht erregend. Bei De Palma komme ich einfach nicht über das weinende Marsmännchen hinweg... LG von Mathias

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