Freitag, 4. Juni 2010

Der tödliche Schwarm (1978)

Irwin Allen, der schon die Katastrophen-Klassiker "Poseidon Inferno" (1972) und "Flammendes Inferno" (1974) produzierte (und bei letzterem bereits die Regie der Action-Szenen übernahm), setzte sich für sein Mammut-Katastrophen-Action-Star-Spektakel um mörderische Killerbienen selbst auf den Regie-Stuhl.
Das hätte er lieber lassen sollen, denn DER TÖDLICHE SCHWARM (The Swarm) wurde ein dermaßen überproduziertes, langweiliges und saublödes (und vor allem: erfolgloses) Spektakel, dass Irwin Allen sich bis zu seinem Tod weigerte, über ihn zu sprechen. Tatsächlich brach er einst ein Interview ab, als die Sprache entgegen voriger Absprache auf "The Swarm" kam.

Michael Caine spielt in diesem teuren Murks einen Insektenforscher, der in Texas über tote Mitarbeiter einer Raketenbasis stolpert, welche offenbar von afrikanischen Killerbienen getötet wurden, und nun mit Hilfe eines Spezialteams eine Lösung für das summende Problem finden muss, bevor die fleißigen Bienchen die gesamte USA-Bevölkerung ausrotten...

Diese Bienchen sind der Hammer. Nicht nur töten sie Familien, die gerade ein Picknick in freier Natur veranstalten wollen, sie sprengen auch ein Atomkraftwerk, lassen Hubschrauber explodieren und Züge entgleisen (!!).
Im Abspann wird klargestellt, dass die hier dargestellte afrikanische Killerbiene nichts mit der fleißigen und braven amerikanischen Hausbiene zu schaffen hat, na gottseidank! Das ist übrigens ernst gemeint und kein Sarkasmus - Irwin Allen ist vieles, aber mit Ironie hat er nichts am Hut.

So schön manche Spezialeffekte auch sind (ebenso Jerry Goldsmiths Musik, die - ausgerechnet - Korsakows "Hummelflug" variiert!), DER TÖDLICHE SCHWARM bleibt von vorne bis hinten lächerlich, und die Darsteller haben Mühe, ihre Dialoge zu sprechen, ohne in Lachen auszubrechen oder über den Fußboden zu rollen.
Michael Caine brüllt 80% seiner Dialoge, er und Richard Widmark schreien sich praktisch grundlos die ganze Zeit nur an. Katharine Ross hatte sich zuvor schon gegen "Airport" (ein Riesenhit) und später dann für DER TÖDLICHE SCHWARM entschieden, das war es dann mit der Karriere . Olivia de Havilland hat als gemütliches älteres Pummelchen das Vergnügen zweier Herren, die um ihre Gunst kämpfen (ja, sicher), wird aber ebenso Bienenfutter wie ihre Verehrer. Hollywood-Veteran Henry Fonda opfert sich für die gute Sache (nein, nicht den Film, die Bienen-Ausrottung), und Patty Duke ist aus dem Tal der Puppen wieder herausgeklettert, um hier mitzumachen und darf sogar überleben (oder wie Margulies/Rebello in ihrem Buch "Bad Movies we Love" schreiben: 'Wenn man "Das Tal der Puppen" überlebt, überlebt man alles!').

Sämtliche Figuren werden so breit und lahm eingeführt, dass man zwischenzeitlich das Gefühl bekommt, Irwin Allen inszeniert "Unsere kleine Stadt". Die 155 Minuten ziehen sich wie Kaugummi (in Deutschland wurde der Film auf unter zwei Stunden heruntergekürzt, was ihn aber auch nicht spannender machte). Es hatte schon seinen Grund, warum in Allens vorigen Großproduktionen erfahrene Regisseure die Schauspieler führten.

Weitere absurde Einfälle: alle überlebenden Opfer der Bienen haben "Visionen" einer gigantischen Biene, die über ihrem Kopf schwebt! Das führt zu sehr komischen Unterhaltungen wie dieser:

"Da ist sie!"
"Wer?"
"Die Biene!"
"Wo?"
"Na, da!"
"Da ist keine Biene!"
"Doch, da ist sie, ich sehe sie doch!"
"Jetzt beruhigen Sie sich mal schön wieder, die Frau Doktor gibt Ihnen gleich eine Spritze!"
"Kreisch!"

Dann gibt es noch die Szene, in der ein Junge den Tod seiner Eltern (die "Picknicker") rächen will und mit zwei Freunden die Bienen ordentlich aufmischt. Um dabei nicht zu Tode gestochen zu werden, verstecken sie sich unter Mülltonnen. Der Anblick von drei Mülltonnen, die - von Bienen verfolgt - durch die Landschaft laufen, ist so herrlich bescheuert, dass man Irwin Allen dafür lieben muss.

03/10

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