Donnerstag, 10. Juni 2010

Der Manitou (1978)

Regisseur William Girdler hat der Welt eine handvoll unvergesslicher Filme hinterlassen - wie etwa den "Jaws"-Abklatsch "Grizzly" (1976) oder den noch-mehr-Tiere-laufen-Amok-Streifen "Panik in der Sierra Nova" (1977), aber sein letzter Film DER MANITOU (The Manitou) ist ohne Frage sein Meisterwerk. Mit einem guten Cast und einer Tonne Special Effects stellt Girdler ein Absurditäten-Festival auf die Beine, das auf jeder Ebene absolut beknackt, aber dennoch wahnsinnig unterhaltsam ist.

Die Story: Susan Strasberg spricht plötzlich indianische Weisheiten im Schlaf und entwickelt einen Tumor in ihrem Nacken, der sich nicht operieren lässt - weil der Chirurg sich stattdessen lieber selbst mit dem Skalpell in die Hand schneidet. Strasbergs Freund, Hellseher Tony Curtis, treibt zur Heilung einen Indianer auf, der sofort erkennt, dass aus dem ständig wachsenden Tumor ein uralter, mächtiger Medizinmann geboren werden soll - was auch geschieht. Aber wie wird man den nun wieder los? ...

Bevor man "Der Exorzist" sagen kann, spult DER MANITOU auch schon den kompletten Plot von Friedkins Film runter, so wie "Grizzly" exakt dem "Jaws"-Vorbild folgte. Der Medizinmann legt einen Bannkreis aus Pulver um Strasbergs Krankenbett und murmelt Beschwörungsformeln. Kurz darauf verwandelt sich das gesamte Krankenhaus-Stockwerk in eine Eiswüste, Pfleger rammen ihre Gesichter in Glasscheiben, ein Laser schießt wild um sich, und Tony Curtis zieht unbekümmert den Bauch ein. Im Finale dreht der Film dann völlig durch. Da düst Strasbergs Krankenbett plötzlich durch eine Art Weltall, während Curtis und sein indianischer Helfer alle Computer des Hospitals hochfahren, um deren Manitous (die "bösen Geister") dazu zu bringen, den Medizinmann zurück in die ewigen Jagdgründe zu beamen! Ja, es war das Jahr von "Star Wars", hier bleibt kein Blockbuster unvergewaltigt.
Wie sie darauf kommen? Ich weiß es nicht, ich rezensiere hier nur. Offenbar steckt in jedem Mensch und in jedem Ding ein "Manitou", den man herauslassen kann. Hätte mal jemand den "Manitou" aus dem Drehbuch gelassen...

Tony Curtis hat sich offenbar nie so recht von "Manche mögen's heiß" erholt, denn wie so oft legt er auch diesen Part sehr feminin und campy an, was dem Film aber eher zugute kommt - zumal er einen betrügerischen Wahrsager spielt (einer Klientin sagt er "Blähungen für Donnerstag" voraus).
In der lustigsten Szene fängt eine nette ältere Dame, plötzlich ebenfalls an, indianisch zu sprechen, schwebt dann aus Curtis' Wohnung und stürzt sich mit Karacho die Treppe hinunter, wobei sie das gesamte Treppengeländer zerlegt. Das sieht man auch nicht jeden Tag.
Schauspiel-Guru Lee Strasberg wird sich sicherlich gefragt haben, was seine Tochter Susan in diesem Humbug verloren hat, aber sie scheint eine Vorliebe für Horror zu haben, war sie doch Jahrzehnte vorher schon unsere Heldin in "Ein Toter spielt Klavier".

DER MANITOU kann auf der Haben-Seite mit einem klasse Score von Lao Schifrin und guter Cinemascope-Fotografie aufwarten, er wirkt nicht billig, Stella Stevens und der skurrile Burgess Meredith spielen ebenfalls mit, und Regisseur Girdler lässt kaum Langeweile aufkommen in seinem Best of 70s-Mix.

DER MANITOU wurde in Deutschland unter verschiedenen Titeln aufgeführt, u.a. als "Die Geburt des Dämons" und - meinem persönlichen Favoriten - als "Super-Zombie"!!

06/10

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