Samstag, 26. Juni 2010

The Black Cat (1934)

Mit Edgar Allan Poes Geschichte hat diese Horror-Verfilmung der Universal zwar wenig zu tun (außer dass ab und an eine schwarze Katze durchs Bild huscht), dennoch zählt THE BLACK CAT zu den großen Klassikern des Horrorfilms und ist vielleicht die beste Zusammenarbeit der beiden Genre-Ikonen Bela Lugosi und Boris Karloff.

Der Psychiater Werdegast (Lugosi) reist nach Ungarn, um sich am Architekten Poelzig (Karloff) zu rächen, der vor mehr als 15 Jahren Lugosis Frau und Tochter gestohlen und die Tochter mittlerweile geheiratet hat. In seiner Begleitung befindet sich ein junges Flitterwochen-Paar (David Manners und Jacqueline Wells), das aufgrund eines Unfalls ebenfalls Zuflucht in Karloffs düsterer Behausung sucht. Während Lugosi Rachepläne schmiedet, bittet der Hausherr einige Gäste zu einer Teufelsanbetung, bei der die junge Durchreise-Braut geopfert werden soll. Lugosi befreit die Dame, tötet Karloff (indem er ihm bei lebendigem Leib die Haut abzieht!) und sprengt - selbst durch eine Kugel aus Manners Revolver dem Tod geweiht - das Haus in die Luft. Das junge Paar kann entkommen.

Mit nur 62 Minuten Spielzeit steckt THE BLACK CAT voller abstruser Handlung, schauriger Charaktere (mit Ausnahme des langweilig-netten Hochzeitspärchens) und jeder Menge bizarrer Set Pieces. Die Bauten der Karloff-Behausung, insbesondere der Raum, in dem er mit seinen Satanisten den Teufel beschwört, ist purer Expressionismus von Cailgari'schen Ausmaßen. So bewahrt er z. B. seine verflossenen Frauen konserviert in Glasvitrinen auf...

Das Aufeinandertreffen der Genre-Legenden und ewigen Rivalen Lugosi und Karloff birgt dabei viel Zündstoff. Lugosi, der eigentlich den positiveren Part spielt, ist dabei mindestens so furchterregend wie sein Gegenspieler und offenbart im Finale selbst grausam-sadistische Züge.
Die Teufelsbeschwörung spricht Karloff übrigens in Latein und verwendet darin schlitzohrig einige bekannte lateinische Sprichwörter, die mit Satan so gar nichts zu tun haben. Aus heutiger Sicht amüsant ist der Selbstzerstörungs-Schalter ("Es war der rote, nicht wahr?" fragt Lugosi), der in keinem Laboratorium und Universal-Gemäuer fehlen darf.

Lugosis Katzen-Phobie, die wahrscheinlich Poe geschuldet ist, hat für die Handlung keine weitere Bedeutung. Tatsächlich findet sich in den Werken Poes nicht ein einziger Satz zum Thema Teufel oder Satanismus. Karloffs Poelzig ist eher nach dem Magier Aleister Crowley gestrickt.

07/10

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