Samstag, 12. Juni 2010

Als das Licht ausging (1968)

Der große Stromausfall in New York 1965 sorgte nicht nur für einen Baby Boom, sondern auch für einige Kinostoffe. Regisseur Hy Averback griff auf eine französische Boulevardkomödie aus den 50ern zurück, um den Blackout für seine Hollywood-Komödie zu nutzen. Für Doris Day sollte ALS DAS LICHT AUSGING (Where Were You When The Lights Went Out?) ihr vorletzter Film werden.

Worum geht es? Der Stromausfall legt die gesamte Stadt lahm. Bühnenstar Maggie (Day) ertappt ihren Ehemann (Patrick O'Neal) beim Seitensprung und flüchtet in ihr Haus in Connecticut. Hier sucht aber bereits der Angestellte Waldo (Robert Morse) Zuflucht, der einen Koffer gestohlenen Geldes dabei hat. Als beide unfreiwillig mittels eines Schlaftrunks auf der Couch einschlafen und von Maggies Gatten am nächsten Morgen aufgefunden werden, ist das Chaos komplett...

ALS DAS LICTH AUSGING wird allgemein als sehr schwache Komödie bezeichnet (für viele gilt er als Days schlechtester Film), und dem kann man folgen. Wenn man allerdings ein großer Doris Day-Fan ist (wie ich), dann kann man dem Film auch ein paar nette Seiten abgewinnen. Kritisiert wurde vor allem der Altersunterschied zwischen der nicht mehr ganz taufrischen Day und dem jungen Morse, denen von Ehemann O'Neal ein Verhältnis unterstellt wird. Nun muss man sagen, dass die Altersdifferenz wohl kaum eine Rolle gespielt hätte, wären die Geschlechter getauscht worden, insofern ist das wieder mal ein sehr frauenfeindliches Argument - warum sollte die zauberhafte Day nicht einen jüngeren Liebhaber haben? Albern.

Davon abgesehen aber hält sich der Witz leider in Grenzen. Ein penetranter Running Gag besteht darin, dass Doris Day einen Mix aus Schlaftabletten und Alkohol einnimmt, um den Tag zu vergessen und dann ewig lange vor sich hindämmert, von jedem Geräusch aufgeschreckt wird und stets mit einem lallenden "Hallo Peter, da bist du ja" reagiert, bevor sie wieder wegschlummert. Das ist anfangs noch ganz lustig, aber irgendwann nervt es. Auch die typischen Boulevard-Verwicklungen und Missverständnisse werden arg bemüht und machen einen überkonstruierten Eindruck.

Nichtsdestotrotz kann Doris Day in wenigen Momenten begeistern, etwa wenn sie selbst nicht sicher ist, ob zwischen ihr und Morse etwas passiert ist und ihn um einen Beweis bittet (den er liefern kann, weil er zufällig eine private Unterhaltung belauscht hat), auf welchen sie dann mit Abscheu und Entsetzen reagiert. Das turbulente Geschehen ist hübsch gefilmt, und in Nebenrollen spielen alte Bekannte wie Terry-Thomas (als Days Produzent Ladislaus, der sie durch Löcher in der Wand in ihrer Garderobe beobachtet) und Lola Albright als verführerische Journalisten-Schlampe, die sich besorgt nach Days Ehezustand für ein Interview erkundigt, um gleich darauf mit Days Ehemann ins Bett zu steigen.

Ein Komödien-Highlight ist ALS DAS LICHT AUSGING nicht, aber er wird auch nie langweilig und bietet solide Unterhaltung mit ein paar Lachern. Ein Film wie dieser war in den späten 60ern nicht mehr zeitgemäß. Das Publikum wollte 1968 keine Starvehikel in Designer-Sets mehr sehen, sondern authentische Geschichten mit glaubwürdigen Charakteren und Gesichtern. Obwohl der Film die Moral früherer Day-Komödien lockerte, galt Doris Day noch immer als Inbegriff von Reinheit und Seifenwerbung. Für sie war im Kino des ausgehenden Jahrzehnts kein Platz mehr.
Nach nur einem weiteren Film, dem wundervollen "Der Mann in Mamis Bett" (1968), in welchem sie ebenfalls versuchte, ihr Image zu erneuern, was vom Publikum aber nicht gewürdigt wurde, zog sie sich aus der Filmwelt zurück und startete später ihre TV-Show, die ein großer Hit wurde.

05/10

Kommentare:

  1. Wie, ein öffentliches Outing als Doris Day Fan? Na, Du traust Dich was. ;-)
    Nee, aber mal im ernst ... Ich seh sie auch sehr gerne und wenns mir mal schlecht geht ... eine Doris Day Komödie hilft garantiert!
    Habe übrigens gerade eine Day-Biographie aus U.S.A. bekommen. Bin schon gespannt.

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  2. Deswegen kann ich sogar Filmen wie diesem noch etwas abgewinnen. Bei ihr fühle ich mich immer irgendwie wohlig - wie vor einem bullernden Ofen an einem frostklaren Tag... LG!

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  3. Hihi, ja, ja, Hudson wußte schon wovon er sprach. ;-)

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