Montag, 7. Juni 2010

All The Boys Love Mandy Lane (2006)

Ein wundervoller Titel, oder?


ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE wurde auf Filmfestivals sehr positiv aufgenommen und erhielt bald per Internet den Ruf, ein wahres Juwel zu sein. Diesem Ruf kann er nicht wirklich gerecht werden, er bietet aber auch sehr viel Positives. Die Zuschauer-Meinungen in den entsprechenden Foren gehen weit auseinander, das muss dazu gesagt werden.

Die Geschichte ist nicht aufregend neu: die schöne High-School-Absolventin Mandy (Amber Heard) verbringt das Wochenende auf einer abgelegenen Ranch mit ein paar Mitschülern. Die Mädchen haben Mandy eingeladen, um an die Jungs ranzukommen, welche sämtlich auf Mandy scharf sind. Ein brutaler Killer aber dezimiert die Gruppe nach und nach...

Soweit, so bekannt. Inhaltlich kann MANDY LANE das ausgelutschte Genre des Teenie-Slashers bestimmt nicht neu erfinden, auch wenn er hier und da andere Wege geht. So wird die Identität des Killers überraschend früh enthüllt. Das mag manchen enttäuschen, ich empfand diesen Dreh als willkommene Abwechslung zum Einerlei, zumal der Film gegen Ende einen weiteren Twist einbaut, der die Whodunit-Fans doch noch erfreuen könnte, auch wenn er keinen echten Sinn ergibt und sämtliche Motivationen wild drauflosgaloppieren.


Regisseur Jonathan Levine beginnt mit einer originellen Vorgeschichte und lässt sich dann viel Zeit, die Charaktere zu etablieren. Die Figuren sind deutlich, stammen aber sämtlich aus dem Klischeebuch. Sie streiten sich, wer die kleinsten Eier, den größten Busen, oder wer mit wem Sex hat. WARUM nur ist es in einem Teenie-Slasher nicht möglich, die Akteure wenigstens nur in einer einzigen Szene über etwas anderes als Sex reden zu lassen? Ich erwarte gar keine Strindberg-Analyse der Partyrunde, aber lieber Gott, es gibt doch noch tausend andere Themen! So wie sie sind, waren mir die Charaktere herzlich egal, ob sie leben oder sterben auch, das macht MANDY LANE ebenso nachlässig wie die meisten Konkurrenten. Lediglich die ‚Mandy’-Figur bleibt interessant, aber die wenigen Informationen, die man über ihre Vorgeschichte erhält, reichen am Ende nicht aus, den Schlussteil zu begründen.


Beachtlich hingegen, was Jonathan Levine dagegen visuell anstellt, um die Story aufzupeppen. Die Kameraführung von MANDY LANE ist außergewöhnlich gut, der Film besitzt eine ebenso grimmige wie nostalgische Atmosphäre. Zu Beginn ist man nicht sicher, in welcher Zeit MANDY LANE eigentlich spielen soll, er vermittelt ein starkes 70er-Feeling durch Ausstattung, Musik und optische Verfremdungen. Neben Slow-Motion gibt es reichlich Super 8-Effekte (besonders im hervorragenden Abspann) und starke Kontraste, die stellenweise dokumentarische Qualität erreichen. Der stimmungsvolle Soundtrack besteht aus gut ausgewählten Songs (perfekt eingesetzt: die Schmonzette "Sealed with a Kiss" zum zynischen Finale) und einem beunruhigenden Score. Levine erzielt eine intensive Atmosphäre, die durch einige derbe Brutalitäten verstärkt wird. Natürlich sind alle Tricks nicht inhaltlich gerechtfertigt und dienen lediglich als Aufhübschung, dennoch war ich in der zweiten Hälfte durchaus gefesselt. Ein paar Schocks haben ihre Wirkung nicht verfehlt.

Insgesamt kann MANDY LANE ein totes Genre nicht neu beleben, bietet aber atmosphärische und überwiegend spannende Unterhaltung.

Eins muss noch erwähnt werden. Auf der deutschen DVD befindet sich ein Interview mit Hauptdarstellerin Amber Heard, die sich als unglaublich selbstverliebt und hohl entpuppt (was ihre gute Leistung im Film aber nicht schmälert). Sie vermisst nach eigenen Aussagen im aktuellen Hollywood die "komplexen Frauenrollen" und war froh, in MANDY LANE eine gefunden zu haben (ich bin sicher, Meryl Streep oder Glenn Close hätten auch zu gern die ‚Mandy’ gespielt...). Ihr großes Vorbild ist Charlize Theron, die in „Monster“ bewiesen hat, dass man (Zitat Anfang) "ohne gutes Aussehen eine tolle schauspielerische Leistung zeigen kann" (Zitat Ende)!

Wahnsinn, oder?

06/10

Kommentare:

  1. Ist sie nicht goldig, diese Mandy Lane ?

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  2. Ich bin auch extra freundlich gewesen bei der Beurteilung, weil ich ja weiß, dass Du auf Deine Mandy nichts kommen lässt, lieber Ray. :-)
    Fand ihn aber wirklich ziemlich gut.

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