Montag, 17. Mai 2010

Wolfen (1981)

Der New Yorker Detective Wilson (Albert Finney) untersucht gemeinsam mit der Polizeipsychologin Rebecca (Diane Venora) den Mord an einem schwerreichen Immobilienmakler und dessen Frau, die beide schwer verstümmelt aufgefunden wurden. Erst durch die Bekanntschaft mit einem Indianer (Edward James Olmos), der beim Brückenbau beschäftigt ist, erfährt Wilson die Wahrheit über die 'Wolfen', eine mystische Wolfsgattung mit übernatürlichen Kräften, die sich von den Lebenden speist, und deren Lebsnraum durch moderne Städteplanung schwindet...

Nach dem Roman von Whitley Strieber inszenierte Michael Wadleigh ("Woodstock") diesen düsteren Horrorfilm mit Botschaft, der zwar im Kino floppte, sich aber bald zum Geheimtipp mauserte und heute als Geheimtipp gilt. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ein Horror-Schocker sowohl ein politisches, ökologisches wie auch soziologisches Gewissen besitzt, WOLFEN ist hier eine herausragende Ausnahme.

Besonders beeindruckend ist die atmosphärische Kameraführung von Gerry Fisher, der das Cinemascope-Format brillant ausnutzt und für die Szenen aus der Sicht der 'Wolfen' faszinierende optische und akustische Verfremdungseffekte einsetzt, die hier "Alienvision" genannt werden. Der Film spielt überwiegend nachts. In einer der wenigen Tag-Szenen klettert Albert Finney zum Indianer Olmos auf einen Brückenpfeiler hoch über der Stadt. Diese Sequenz ist in ihrem Realismus und der Verbindung von Trick- und Originalaufnahmen so atemberaubend, dass Menschen mit Höhenangst - wie ich - sie kaum verfolgen können, ohne das ihnen selbst schwindlig wird.

Einen interessanten Gegensatz findet WOLFEN in der Gegenüberstellung der South Bronx mit ihren leerstehenden Abrissgebäuden, den Obdachlosen und riesigen Müllhalden zu den teuren Manhattan-Locations, wo die ersten Morde stattfinden. Die 'Wolfen', eigentlich mutierte indianische Geister, ernähren sich von den Überresten der Gesellschaft, wozu auch die Armen, Hungernden und Heimatlosen gehören. Sie stehen vor der Ausrottung durch die Zivilisation. Durch die Figur des von Albert Finney (wie üblich) hervorragend dargestellten Detectives zeigt Wadleigh die Angst der zivilisierten Normalbürger vor Riten, Gebräuchen und möglicherweise auch übernatürlichen Kräften der Indianer. Auch wenn er die Taten der 'Wolfen' als schockierend und brutal inszeniert (wir sind immerhin in einem Horrorfilm), können sie erst dann gebändigt werden, wenn Finney am Ende das Modell eines geplanten Bauunternehmens zerstört, welches den Kreaturen für immer den Lebensraum genommen hätte. Der Fortschritt aber wird nicht vor den 'Wolfen' Halt machen, und so endet Wadleighs Film auch offen.

Was die schlussendliche Botschaft des Films sein soll, bleibt verschwommen, aber er liefert sehr viele Denkanstöße und Subtexte über Zivilisation und Natur, Fortschritt und Tradition, Mensch und (menschliche) Bestien. So gesehen gehört WOLFEN mit zum besten, was das Genre hervorgebracht hat. Von mir eine klare Empfehlung!

09/10

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