Mittwoch, 19. Mai 2010

Sweet November (2001)

Willkommen zu einer der unerträglichsten Schmonzetten des neuen Jahrtausends. Das schöne Sterben wurde in Hollywood gern und oft zelebriert. Wir heulten mit Bette Davis in "Opfer einer großen Liebe" (1939), mit Olivia de Havilland in "Vom Winde verweht" (1939), sogar mit Ali McGraw in "Love Story" und Debra Winger in "Zeit der Zärtlichkeit". Bei Bad Actor DeLuxe Keau Reeves und Charlize Theron kann man leider nur über die beiden heulen. Charlize Theron leidet hier an der typischen Filmkrankheit, die zwar keinen Namen hat (weil frei erfunden), bei welcher aber der Patient exakt weiß, wann genau er abtreten wird, dabei jedoch bis kurz vor Ende unwiderstehlich schön bleibt und dann plötzlich Augenringe, Hustenanfälle und starke Blässe entwickelt, bis es Minuten später auch schon vorbei ist.

Und genau weil sie das weiß, hat sich unsere Charlize vorgenommen, jeden Monat einen unglücklichen Mann zu beglücken, schmutzigen Sex mit ihm zu haben (hat da jemand 'Schlampe' gesagt?) und aus ihm einen besseren Menschen zu machen. Mutter Theresa wäre stolz auf Charlize. Ihr "Mister November" ist der ewig hölzerne Keanu, dessen Designer-Hemden mehr Ausstrahlung und Persönlichkeit haben als er selbst. Nun kann ich mir Keanu schon als "Mister November" vorstellen, dann aber bitte in einem Unterwäsche-Kalender, nicht in einem Filmdrama.

SWEET NOVEMBER (Sweet November) plätschert lustlos vor sich hin, es tauchen die typischen Klischee-Figuren aus der Klamottenkiste auf (wie der schwule Nachbar aus der Stereotypen-Schublade No.1), Keanu, der als Werbefachmann so unter Druck steht, dass man es ihm fast ansieht (aber nur fast, es ist Keanu), findet Freude an neckischen Strandspielen, Modellbootsrennen und verliebt sich so hemmungslos in unsere Todgeweihte, dass er als Nikolaus zu ihr ins Fenster steigt, in seinem Sack einen Haufen Geschenke mit sich tragend, darunter einen Geschirrspüler. Wenn das kein Romantiker ist! Oder in Anlehnung eines ollen Werbespruchs: Keanu weiß, was Frauen wünschen.

Das Schlimmste an SWEET NOVEMBER aber ist nicht etwa der aus allen Filmporen triefende Kitsch, der von diesen unsäglichen Charakteren fabriziert wird, sondern die schlussendliche Aussage, dass man lieber gehen sollte, bevor der geliebte Partner stirbt, damit man ihn in aller jugendlicher Schönheit im Gedächtnis behalten kann. Gott bewahre, dass man ihm beim Sterben zusehen muss! Allein stirbt es sich doch am besten.

Liebe heißt, niemals um Verzeihung bitten zu müssen, einen schlechten Film gemacht zu haben.

01/10

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