Freitag, 14. Mai 2010

Stirb an einem anderen Tag (2002)

Superagent James Bond 007 bekommt also mittlerweile nicht mehr mit, wenn eine Gespielin ihm im Schlaf das Magazin aus der Waffe entfernt. Zeit für den Ruhestand?

STIRB AN EINEM ANDEREN TAG (Die Another Day) beginnt mit einer atmosphärischen Sequenz, in der drei Surfer in aufgewühlter nächtlicher See die Küste Nordkoreas erreichen. Was aber darauf zwei geschlagene Stunden folgt, kann nur als Tiefpunkt der Bond-Reihe bezeichnet werden. STIRB AN EINEM ANDEREN TAG verletzt nicht nur mehrere Bond-Regeln, er ist ein leeres, inhaltsloses und aufgeblasenes Modeprodukt ohne jeden bleibenden Wert, Spannung, Humor oder Raffinesse, ein plumper Action-Koloss mit uninteressanten Figuren, einem gelangweilten Brosnan und - schlimmer - mit Madonna!

Worum geht es? Um irgendeinen Nonsens über Laser-Gesichtsoperationen, die jemanden vollständig seines Aussehens, seiner Sprache und Herkunft berauben können, unsichtbare Autos und einen Killersatelliten, der mit Blut-Diamanten bestückt wird. Dass ausgerechnet der müde "Diamantenfieber"-Plot noch einmal aufgewärmt wurde, spricht für sich.

Als Bond-Fan fällt es schwer, gelassen zu bleiben angesichts der gigantischen Blödheit vieler Einfälle, der schrecklichen CGI-Effekte und belangloser Darstellungen. Pierce Brosnan, der als 007 nach dem Vorspann von der ganzen Welt gesucht wird und einfach mal so halbnackt aus dem Hafenbecken steigt, in eine Hotel-Lobby hereinspaziert und seine übliche Suite verlangt, als sei nichts gewesen, hat sich endgültig als nicht-würdiger Nachfolger von Connery und Moore bewiesen. Er wirkt stets schlecht gelaunt oder gelangweilt, manchmal auch beides.

"Oh ja, und besonders von seiner Stoßkraft war ich begeistert!" sagt Halle Berry als Agentin 'Jinx' über Bond. Sehr subtil, und so doppeldeutig - man meint, man wäre im Schulmädchen-Report gelandet. Früher waren die pikanten Zweideutigkeiten Bonds aus dem Mund Sean Connerys nicht immer, aber meistens amüsant, hier bewegt sich der Humor auf pubertierendem Niveau der "American Pie"-Filme (wobei diese besser sind, muss man der Fairness halber sagen).
Praktisch niemandem ist bei diesem Film irgend etwas eingefallen - den Autoren nicht (alles schon einmal da gewesen), Designer Peter Lamont nicht (der Eispalast sieht durchweg wie Pappmaché aus), dem Komponisten David Arnold nicht (einige Musikteile finden sich exakt in "Die Welt ist nicht genug" wieder, auch wenn der Score weitgehend solide ist), über Madonnas Titelsong hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens, ihre Mitwirkung im Film aber ist komplett überflüssig (sie erhielt prompt und verdient die Goldene Himbeere für ihren wie immer nichtssagenden und dazu eitlen Auftritt).
Die arme Judi Dench als 'M' muss durchweg zickig und griesgrämig agieren, keine Spur mehr von Ironie und Charme. Ihre wütenden Gardinenpredigten gegen Bond, den sie aber insgeheim doch in Ordnung findet, sind bekannt und geben nichts mehr her. Halle Berrys Sex-Appeal ist so plump und aufdringlich wie ein Table-Dance. Sie wackelt (wie in "Catwoman") mit den Hüften, als gäbe es kein Morgen, und wenn sie im Bikini aus dem Meer steigt, soll uns das als Hommage an "Dr. No" verkauft werden. Ich nenne das eine kreative Bankrotterklärung und verzweifelte Ausrede für mangelnde Ideenvielfalt.

Wer war noch mal der Bösewicht des Films? Egal.

Die einzigen, die überhaupt so etwas wie eine Darstellung zeigen, sind die exzellente Rosamund Pike als kühle MI6-Agentin Miranda Frost (wieder diese Subtilität...), die ständig die Fronten wechselt, und Rick Yune, der als Scherge Zao eine bizarre Präsenz in den Film bringt.
John Cleese wird erneut verschenkt, sein Auftritt aber wird ohnehin von der dämlichsten Idee überschattet - dem unsichtbaren Wagen, der für 007 konstruiert wurde! Die Bond-Filme waren oft albern und bewegten sich jenseits jeglichen Realitätssinnes, da fällt es schwer, mit Logik zu argumentieren, aber ein unsichtbarer Wagen? Nein, nein, nein. Das ist "Mit Schirm, Charme und Melone" (dort wäre der Einfall wunderbar), nicht Bond.

Das Vorspann-Design von Danny Kleinman ist gewohnt brillant, etwas positiveres kann ich nicht sagen.

Highlights? Fehlanzeige.

Minuspunte? Unzählige.

STIRB AN EINEM ANDEREN TAG konnte an den Kinokassen erneut Rekorde brechen, aber der Unmut vieler Fans wurde gehört und ernst genommen. Die Tage von Pierce Brosnan waren gezählt, es war Zeit für einen Neuanfang. Für diesen setzten die Produzenten alles auf eine Karte. Und gewannen.

01/10

Kommentare:

  1. Die Bond Werkschau ist ja wirklich gut gelungen, ich muss auch zugeben, dass ich von Dalton und Brosnan nicht alle Bond-Filme kenne. Meine Lieblinge sind nach wie vor:
    1. Im Geheimdienst ihrer Majestät
    2. Goldfinger
    3. Casino Royale (Daniel Craig)
    4. Liebesgrüße aus Moskau
    5. Der Spion, der mich liebte
    Liebe Grüsse !

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  2. Hi Ray, das ist ja toll, die TOP 5 decken sich genau mit meinen!! :-)) Phänomenal! Liebe Grüße!

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