Montag, 17. Mai 2010

Sag niemals nie (1983)

Keine Bond-Werkschau wäre komplett ohne den inoffiziellen SAG NIEMALS NIE (Never Say Never Again), der parallel zu "Octopussy" gedreht wurde, und für den Sean Connery aus seinem Ruhestand als Geheimagent zurückkehrte.

Bei SAG NIEMALS NIE handelt es sich um eine Neuverfilmung des "Feuerball"-Drehbuchs, an dem die Bond-Produzenten der Eon keine Rechte besaßen. Theoretisch könnte es nach wie vor jederzeit neu verfilmt werden. Den Wettlauf um die Gunst des Publikums gewann zwar "Octopussy", dennoch kann sich dieser Bond-Ableger mehr als sehen lassen, auch wenn er in vielen Bereichen zu amerikanisch wirkt (US/britische Co-Produktion) und nicht unbedingt gut gealtert ist.

Worum geht es? Nach "Feuerball"-Motiven werden auch hier mittels eines raffinierten Planes zwei Atomsprengköpfe gestohlen und auf dem Meeresgrund bei den Bahamas versteckt. Drahtzieher ist der ewige Widersacher Blofeld (Max von Sydow) mit seiner Organisation "SPECTRE", ausgeführt wurde der Coup von Handlanger Largo (Klaus Maria Brandauer) und dessen Gehilfin Fatima (Barbara Carrera).

Das Gute zuerst: Sean Connery ist wieder da und in Top-Form! Das Toupet sitzt, der Martini ist geschüttelt, nach einem kurzen Vorlauf liefert er sich einen sensationellen Fight durch ein komplettes Sanatorium, bis er den Gegner mit seiner Urinprobe unschädlich macht. Connery wirkt durchgehend entspannt, gut gelaunt und bereit zu jeder Schandtat, er legt beinahe Roger Moore-Attitüden an den Tag.

Regisseur Irvin Kershner ist kein großer Künstler, aber ein fähiger Action-Regisseur. Unter seiner Regie spielen sich einige irrwitzige Szenen ab, und er ermutigt seine Darsteller zum skurrilen Overacting. An vorderster Front im Psychopathen-Stadl agiert Barbara Carrera als unvergessliche Killerin Fatima, die mit Schlangen knutscht, beim Cocktail Hotelzimmer in die Luft jagt und in bizarrer Garderobe über Freitreppen tanzt. Sie dominiert alle Szenen, und ihr explosiver Filmtod (es bleibt nur noch ein High Heel von ihr übrig) hinterlässt Gesichter des Bedauerns.

Dagegen kann Kim Basinger als Bond-Girl und gutmütige 'Domino' kaum punkten, zu langweilig ist ihre brave Rolle geraten. Sie sieht allerdings bezaubernd aus, und ihr Tango mit Bond vor einer versammelten Gästeschar auf Largos exklusiver Party ist ein echter Höhepunkt.
Klaus Maria Brandauer spielt seinen eitlen Fatzke Largo sehr überzeugend (kein Kommentar!), eine Bedrohung geht allerdings nicht von ihm aus, dazu macht er zu viel Kasperletheater. Nicht zuletzt sorgt der schrullige Rowan "Mr. Bean" Atkinson für ein paar Lacher.

Einige Elemente wie Basingers Aerobic-Outfit lassen den Film heute älter wirken als er ist. Eleganz und Glamour der offiziellen Bond-Reihe finden sich kaum, dafür jagt Kershner den Plot von einem Höhepunkt zum nächsten. Die ausschweifenden finalen Unterwasser-Sequenzen von "Feuerball" wurden für SAG NIEMALS NIE drastisch reduziert - und sind immer noch zu lang! Statt des gewohnten Bond-Logos und Vorspann-Designs zu Beginn (beides wurde den Produzenten seitens Eon untersagt) bietet der Film eine rasante Titelsequenz, die sich als Übung von Bond herausstellt. Das Titellied von Rita Coolidge geht schnell ins Ohr (und nie wieder raus).

Highlights: die Entführung der Sprengköpfe, Bonds Motorrad-Jagd durch Nizza, Fatimas Tod, Das "Domination"-Game Bond gegen Largo.

Minuspunkte: die Musik von Michel Legrand versagt auf ganzer Linie, sie wirkt stellenweise sogar störend! Wie konnte das passieren?

Alles in allem ist SAG NIEMALS NIE ein freches, humorvolles Spektakel geworden, das mit mehr als nur einem Auge zwinkert. Connery beweist, dass er der beste Bond aller Zeiten ist, auch wenn man den Film schnell zu den Akten legen kann.

07/10

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