Sonntag, 2. Mai 2010

Psycho III (1986)

Am Ende von "Psycho II" befindet sich Norman Bates (Anthony Perkins) in der gleichen Ausgangssituation wie zu Beginn des ersten Teils. Anthony Perkins übernahm selbst die Regie und beweist mit PSYCHO III ein gutes Händchen für visuelle Raffinesse und bietet ein paar hübsche Mordsequenzen, gleichzeitig fehlt es seinem Film deutlich an Spannung und interessanten Charakteren.

Worum geht es? Norman Bates ist wieder im Motel-Gewerbe, die tote Mama sitzt im alten Haus am Fenster und gibt sarkastische Kommentare von sich, eine unglückliche Nonne (Diana Scarwird) und ein herumreisender Musiker (Jeff Fahey) geraten in das berüchtigte Motel (das merkwürdigerweise nicht unter seinem schlechten Ruf zu leiden hat), und das Morden geht wieder los. Eine hartnäckige Journalistin (Roberta Maxwell) will Norman um jeden Preis der Morde überführen...

Besagte Reporterin sollte eigentlich die Protagonistin des Films sein, wird aber durch das Spiel von Maxwell und die sperrige Charakterisierung zu einer negativen und unsympathischen Figur. Diana Scarwid als leidende Ordensschwester darf zwar zu Beginn in einer heftigen "Vertigo"-Hommage ihre Vorgesetzte vom Glockenturm stoßen, bleibt aber viel zu selbstmitleidig und verheult, um sie als Figur ernst zu nehmen - in einer sehr komischen Duschsequenz-Variation begeht sie einen Selbstmordversuch in der Badewanne und hält den mörderischen Norman für die Jungfrau Maria! Jeff Fahey bringt ein bisschen Leben und Sexappeal in den Film, das reicht aber bei weitem nicht.

Wieder einmal ist es Anthony Perkins, der alles gerade noch zusammenhält. Wenn er als Norman niedliche Singvögel vergiftet, ausstopft und sich mit dem Sägemehl-Löffel nebenbei noch einen Kräcker mit Erdnussbutter bestreicht, oder wenn Sheriff Statler fröhlich an blutigen Eiswürfeln lutscht, dann hört man Hitchcock leise kichern. In diesen schwarzhumorigen Momenten funktioniert PSYCHO III am besten.
Die Mordsequenzen werden von Perkins in bester "Freitag der 13."-Manier äußerst blutig und kraftvoll inszeniert, dazwischen herrscht aber immer wieder Leerlauf. Das Finale erreicht geradezu absurde Qualitäten und bleibt merkwürdig spannungsarm. Anthony Perkins taucht einige Szenen in grell-rotes und blaues Licht - eine Technik, die er sich bei Ken Russell abgeschaut hat, in dessen "China Blue" er kurz zuvor mitwirkte. Nach zwei wundervollen Soundtracks in Teil 1 und 2 enttäuscht Carter Burwells Elektronik-Score in PSYCHO III maßlos.

Für "Psycho"-Fans ist dieser dritte Teil natürlich Pflicht, ansonsten muss man ihn wirklich nicht gesehen haben. Schade, denn der Stoff bietet immer noch genügend Potential.

06/10

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