Sonntag, 2. Mai 2010

Psycho (1960)

Als makaberen Scherz hatte Alfred Hitchcock seinen Film geplant, und als Beweis, dass man auch ohne viel Aufwand einen hochklassigen Horrorschocker machen kann. Doch PSYCHO war und ist viel mehr als das. PSYCHO hat die Filmlandschaft für immer verändert, für einen Kulturschock gesorgt und wird heute noch öfter analysiert, besprochen und imitiert als jeder andere Film. Ein Werk wie PSYCHO kann man gar nicht überschätzen.

Hitchcock erzählt die Geschichte einer Diebin (Janet Leigh), bricht dann unvermittelt ab, jagt dem Zuschauer einen Mordsschrecken ein, beseitigt die Diebin, lässt ihn hilflos nach einer Identifikationsfigur Ausschau halten und bietet ihm nur einen seltsamen jungen Mann namens Norman Bates (Anthony Perkins) an, der sich dann auch noch als Psychopath entpuppt. Hitchcock spielt auf dem Publikum wie auf einer großen Orgel und hat seine Freude daran, wie es von einer Ohnmacht in die nächste fällt und nach den üblichen Sicherheitsvorkehrungen sucht, die ihm Hitchcock alle vorenthält.

Obwohl PSYCHO ganz und gar Hitchcock zugeschrieben wird, soll nicht unerwähnt bleiben, dass er sich recht eng an die Romanvorlage von Robert Bloch hält, der Die Geschichte mit allen Wendungen vorgab. Hitchcock drehte in Schwarzweiß, weil er die Zuschauer mit dem Blut der brühmten Duschszene nicht überfordern wollte, trotz seiner Schlichtheit gehört PSYCHO aber visuell zu den erstaunlichsten, dichtesten Filmen aller Zeiten. Seine Verbindung von klassischen Gothic-Motiven (das alte Haus, Gewitter, ausgestopfte Vögel mit glotzenden Augen) und alltäglichem Realismus (Sex in der Mittagspause, Leigh im BH, Großaufnahmen einer Toilette) war zuvor nie dagewesen. PSYCHOS Themen sind Hitchcocks Lieblingsthemen - Voyeurismus, kriminelle Energie im Jedermann, Vögel, Augen, geteilte Leinwände, übertragene Schuld, unbearbeitete Traumata der Vergangenheit. Inzest und Nekrophilie werden suggeriert, mehr war nicht möglich.

Die Kritiker mochten PSYCHO nicht besonders, das Publikum liebte ihn und sorgte dafür, dass der Film zu Hitchcocks größtem Hit wurde. Anthony Perkins feierte seinen Durchbruch und war fortan auf die Rolle des Neurotikers festgelegt, oft übersehen wird die sensationelle Leistung von Janet Leight als unglücklicher Diebin. Auch die ruppige Vera Miles wird gern unterschätzt. Komponist Bernard Herrmann lieferte zu dem Schwarzweißfilm eine brachiale Schwarzweiß-Musik (sein Orchester besteht nur aus Streichern), die heute noch imitiert wird und aus der Filmgeschichte nicht wegzudenken ist.

PSYCHO ist ein Film, in dem sich alle Elemente kongenial zu einem einmaligen Erlebnis zusammenfügen, und er ist doch mehr als die Summe seiner Teile. PSYCHO kann heute noch so erschüttern wie seinerzeit, heute kann man aber auch seinen schwarzen Humor wahrnehmen. Hitchcocks Augenzwinkern ist in jeder Minute spürbar. Wir sind alle nur seine Marionetten. So will er uns haben, so wollen wir gerne sein.

100/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...