Mittwoch, 12. Mai 2010

Octopussy (1983)

1983 bekam James Bond erstmals Konkurrenz - von sich selbst. Gleichzeitig zum 13. offiziellen Bond-Abenteuer wurde das ehemalige "Feuerball"-Drehbuch, dessen Rechte nicht mehr bei den Bond-Produzenten lagen, als Remake realisiert - mit Sean Connery in der Hauptrolle, der für den Film aus seinem Ruhestand zurückkehrte. Der Titel: "Sag niemals nie". Umso überzeugender musste OCTOPUSSY gelingen, denn dies war nicht nur eine Frage von Einspielergebnissen, sondern eine Frage der Ehre.

In OCTOPUSSY verschlägt es Roger Moores Bond nach Indien, wo er nach dem Mord an einem Agenten auf der Spur eines Fabergé-Eies an die Juwelenschmugglerin Octopussy (Maud Adams) gerät, deren Geschäftspartner (Louis Jourdan) noch ganz andere, weltbedrohliche Ziele verfolgt...

An der Oberfläche ist OCTOPUSSY erneut ein farbenprächtiges, exotisches Spektakel geworden, mit Feuerschluckern, Schlangenbeschwörern (der Schlangenbeschwörer pfeift die "Goldfinger"-Melodie auf seiner Flöte), Elefanten, Tigern, einer Zirkustruppe und Bond in einem ausgehöhlten Papp-Krokodil. Das alles sorgt für reichlich Schauwerte. Die Handlung bleibt weitgehend uninteressant, die einzelnen Action-Sequenzen sorgen aber dafür, dass man nicht darüber nachgrübelt.

Nach einem klasse Teaser und einem eher durchschnittlichen Vorspann-Design folgt eine der besten Bond-Sequenzen überhaupt - die Ermordung eines Agenten-Kollegen, der als Clown verkleidet durch die Wälder flieht. Ein spannungsgeladener, ausgefallener Beginn. Diese Qualität erreicht OCTOPUSSY erst wieder vor dem Finale, wenn Bond - nun selbst als Clown verkleidet - eine Bombe in einem vollbesetzten Zirkuszelt entschärfen muss. Hier wird die Figur Bond trotz der albernen Clownsmaske nicht lächerlich gemacht, die Sequenz ist hochspannend und subtil komisch.
Das Action-Finale auf dem Dach eines Flugzeugs leidet dann leider unter schlechten Rückpros. Roger Moores Tage als Geheimagent werden sichtbar angezählt, er wirkt oft zu alt für seine Handlungen, die Double Entendres geraten zum Altherrenwitz.

Die attraktive Maud Adams spielt bereits zum zweiten Mal (nach "Der Mann mit dem goldenen Colt") in einem Bond-Film mit und ist eine Bereicherung, Oberbösewicht Louis Jourdan wirkt in seiner affektierten Spielweise eher belustigend als bedrohlich. Ich habe ohnehin nie verstanden, was irgendwer jemals an Jourdan gefunden hat, er ist als Schauspieler hölzern und ohne Facetten.
Als russischer General Orlov, der den nächsten Weltkrieg plant, liefert Steven Berkoff die wahrscheinlich beste Leistung des Films, auch wenn sein Plot irgendwie nicht mit dem Rest des Films zusammenkommen will. Designer Peter Lamont hat einen fantastischen russischen Konferenzraum gestaltet, den man gesehen haben muss.

Fazit: gute Unterhaltung mit einigen Abstrichen.
Auf lange Sicht war OCTOPUSSY übrigens erfolgreicher als sein Konkurrent "Sag niemals nie" und ist auch deutlich besser gealtert.

07/10

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