Dienstag, 11. Mai 2010

Moonraker - Streng geheim (1979)

Ein entführtes Space Shuttle ruft 007 auf den Plan. Will der Industrielle Hugo Drax (Michael Lonsdale) etwa die Menschheit mit einem speziell entwickelten Gift auslöschen und eine neue Herrenrasse im Weltall heranzüchten, um mit ihnen die Erde neu zu besiedeln? Klingt bescheuert? Das war noch gar nichts... ab ins All, Mr. Bond!

MOONRAKER gehört unter Bond-Fans zu den unbeliebtesten Filmen der Reihe, obwohl er an den Kinokassen sensationell erfolgreich war. Das liegt an seinem Hang zum Slapstick, der Science Fiction-Story, die mit dem von Ian Fleming geschaffenen Agenten nichts mehr zu tun hat, der haarsträubenden Unlogik (niemand hat weltweit bemerkt, dass Hugo Drax eine eigene Weltraumstation bastelt), und auch an der Schlampigkeit vieler Szenen und Effekte.

Für mich gehört MOONRAKER (Asche auf mein Haupt) zu den Bonds, die ich immer wieder gern sehe. Er bietet neben allen zugegebenen Schwächen außergewöhnliche Locations, jede Menge Abwechslung, eine intelligente Partnerin für Bond (mit dem wohl anzüglichsten Namen seit Pussy Galore) und teilweise herrlich absurde Dialoge ("Sie widersetzen sich all meinen Bemühungen, Ihnen einen amüsanten Tod zu bereiten, Mr. Bond").
Die Ermordung Corinne Clerys durch Drax' Dobermänner gehört zu den besten Szenen der gesamten Reihe.

Weitere Highlights: das Laserkanonen-Finale, Bonds Zweikampf in einem venezianischen Glas-Museum, bei dem alles, aber auch wirklich alles zu Bruch geht, Bonds Kampf mit einer Riesenpython vor einer Maya-Pyramide, die unheimliche Begegnung mit dem 'Beißer' (erneut Richard Kiel) während des Karnevals in Rio, die Zentrifuge, die Roger Moore (absichtlich) sehr alt aussehen lässt, und der plötzliche Tod zweier Wissenschaftler durch Bonds Schuld.

Minuspunkte: der unüberzeugende Zweikampf Bond/Beißer in einer Touristen-Gondel hoch über Rio (schlechte Rückpros und Schnitte), die fahrende venezianische Gondel samt britischer Flagge (sehr subtil für einen Geheimagenten im Dienst), der Double-Take einer Taube (!), der strunzblöde Plan von Hugo Drax, der zugegebenermaßen auch nicht blöder ist als der vieler Bond-Bösewichter, und die lächerlichen Teenager, die als neue Rasse die Welt bevölkern sollen, nachdem dort alles menschliche Leben ausgelöscht wurde (Tiere und Pflanzen dürfen überleben). Auch die 'Liebesgeschichte' zwischen dem 'Beißer' und einem blonden Zopf-Mädel, das wie Ingrid Steeger in besten 'Klimbim'-Zeiten aussieht, ist an Absurdität nicht zu toppen und so überflüssig wie ein Kropf.

Wer es schafft, den aufgetürmten Schwachsinn zu ignorieren und den Film als farbenfrohes Comic-Spektakel zu genießen, der wird - wie ich - seine Freude an MOONRAKER haben. Ein Film der Superlative, in positiver wie negativer Hinsicht.

09/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...