Dienstag, 11. Mai 2010

Man lebt nur zweimal (1967)

MAN LEBT NUR ZWEIMAL (You Only Live Twice) übertrifft in Sachen Aufwand alle vorigen Bond-Beiträge, doch die Qualität des Films kommt in keiner Minute an einen der Vorgänger heran.
Nach dem rekordverdächtigen Erfolg von FEUERBALL glaubten die Produzenten Saltzman/Broccoli, dass man in jeder Hinsicht noch eine Schippe drauflegen musste, um das Publikum bei der Stange zu halten. Sie vergaßen jedoch, dass auch der größte Aufwand keine plausible Story ersetzt. So ist MAN LEBT NUR ZWEIMAL ein zwiespältiger Film geworden – ungemein unterhaltsam zu Beginn und gegen Ende, aber heillos langweilig und ermüdend im Mittelteil.

Seine fünfte Mission führt Bond nach Japan, wo er entführte Raumschiffe orten soll. Er entdeckt den Oberbösewicht Blofeld (Donald Pleasence) in einem umgebauten Vulkankrater.

Dieses versteckte Hauptquartier gehört zu dem Unglaublichsten, was die Bond-Reihe je hervorgebracht hat. Das Set-Design von Ken Adam übertrifft alle Erwartungen und auch alle Glaubwürdigkeit. Warum eigentlich hat niemand bemerkt, dass ein ganzer Vulkan ausgebaut wird, und wie hoch waren wohl die Kosten für die Arbeiten und die Hundertschaften Handlanger, die im Finale gegen Bond kämpfen?

Die Highlights des Films: John Barrys wie immer großartige Musik, der skurrile Witz des Roald Dahl-Drehbuchs, insbesondere der Moment, in dem Miss Moneypenny (Lois Maxwell) Connery/Bond den Erkennungscode „Ich liebe dich“ verrät, hervorragende Stunts im explosiven Finale, Karin Dors Tod im Piranha-Becken und Donald Pleasences Interpretation des Erzrivalen Blofeld.

Minuspunkte: die gesamte Passage, in der Bond in einen Japaner verwandelt wird (die Maske ist schlichtweg lächerlich) und zur Tarnung heiratet. Beides ist innerhalb des Plots vollkommen überflüssig und konsequenzlos. Auch der Tod seiner „Gattin“ berührt nicht, wie er sollte. Connery selbst wirkt oft abgekämpft und lustlos. Und so schön Karin Dors Filmtod auch gelingt, ihre Liebesszene mit Connery ist – ebenso wie ihr Make-up - viel zu dick aufgetragen. Ihre Lippen beben so unaufhörlich, dass sie wie eine Epileptikerin wirkt. Der Mordanschlag, den sie kurz darauf verübt, ist an Absurdität nicht zu überbieten.

Insgesamt bietet MAN LEBT NUR ZWEIMAL ein Spektakel gewaltigen Ausmaßes, das aber niemals die Spannung und Dichte eines „Goldfinger“ erreicht. Das erste Bond-Abenteuer, bei dem man sein Hirn komplett ausschalten kann und trotzdem nichts versäumt.

06/10

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