Mittwoch, 26. Mai 2010

Lipstick - Eine Frau sieht rot (1976)

Das war es, was die Welt gebraucht hat - die weibliche Version von Bronsons "Ein Mann sieht rot", auf welchen der deutsche Titel gleich mal kräftig hinweist.
Das Schöne an LIPSTICK (Lipstick) ist die Tatsache, dass der Film sich keine Minute bewusst ist, wie trashig er ist. Er versucht zwischendurch sogar noch, eine sozialkritische Message durchzubringen, und das, obwohl er selbst so sleazy ist, dass man hinterher duschen möchte.

Maßgeschneidert wurde der Thriller für Margaux Hemingway (Enkelin von Ernest), die für kurze Zeit in den Spät-70ern "heiß" war. Sie spielt ein Lippenstift-Model, das aufreizende Werbefotos am Strand macht, was die Aufmerksamkeit des Lüstlings/Musiklehrers Chris Sarandon erregt, der sie später besucht und vergewaltigt. Als Margaux ihn anzeigt, behauptet er, es wäre einvernehmlicher Sex gewesen, und vor Gericht wird Sarandon freigesprochen, weil die Geschworenen meinen, eine Frau, die Lippenstift-Reklame macht, habe es auch nicht anders verdient. Als sich Sarandon aber später auch noch an Hemingways kleine Schwester (Mariel Hemingway) heranmacht, rastet Margaux endgültig aus und schlägt zurück...

Die arme Anne Bancroft muss in diesem Exploitation-Kracher die Anwältin von Margaux spielen und wirkt dabei äußerst beschämt, liefert aber die beste Leistung des Films. Chris Sarandon ist leider viel zu nett für seine fiese Rolle, und Hauptdarstellerin und Glamour-Girl Margaux beweist leider nur, dass sie hübsch aussieht, ansonsten aber talentfrei ist. Die Gerichtsverhandlung im Mittelteil steckt voller Lacher, besonders als Sarandons Musik vorgespielt wird - er komponiert nämlich elektronische, etwas schräge Musik, was seinen gestörten Geisteszustand beweisen soll... hm.

ACHTUNG, SPOILER! Nichts aber kann das Finale toppen, wenn Margaux im roten Abendkleid von einem Shooting (!) flieht, um mit einer Schrotflinte, die sie zufällig im Auto hat, Sarandon bei Sonnenuntergang über den Haufen zu schießen. Ein absurder Schluss-Titel verrät dem geneigten Zuschauer, dass Margaux für diesen Mord übrigens nicht verurteilt wurde!! Was wieder mal beweist: Vergewaltigung ist falsch, Selbstjustiz hingegen immer richtig! Und für alle Fälle sollte jedermann stets eine Schrotflinte im Handschuhfach haben.Was wäre Amerika ohne die Waffenverliebtheit? Chris Sarandon hat das Gemetzel übrigens überlebt und tauchte später als Untoter in "Fright Night" (1984) wieder auf, wo er dem armen Teenager William Ragsdale nachstellt. Der Mann ist einfach nicht tot zu kriegen.

Margaux Hemingway wurde übrigens trotz aller Bemühungen kein Star, dafür aber ihre ungleich talentierte Schwester Mariel, unvergessen als Woody Allens Love-Interest in "Manhattan". Margaux nannte sich später Margot, das hat ihre Karriere aber auch nicht in Fahrt gebracht.LIPSTICK kann man sich heute nur als Trash oder unfreiwilie Lachnummer reinziehen, dann unterhält er ausgezeichnet.

03/10

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