Dienstag, 11. Mai 2010

Leben und sterben lassen (1973)

Bei Roger Moores Bond-Erstling handelt es sich im Grunde um ein gut getarntes Remake von "Dr. No" (zumindest bis zum letzten Drittel). Der achte Beitrag zur 007-Reihe kam so gut an, dass alle Befürchtungen zerstreut wurden, das Publikum würde den neuen Bond ebenso ablehnen wie George Lazenby. Roger Moore hatte aber - anders als Lazenby - als TV-Star schon eine beachtliche Fangemeinde vorzuweisen und schlüpfte problemlos in die 007-Rolle. Seine Interpretation unterscheidet sich grundlegend von der Connerys, somit waren ohnehin alle Vergleiche hinfällig.

In LEBEN UND STERBEN LASSEN (Live and Let Die) muss Bond drei Todesfälle untersuchen, die ihn nach Jamaica führen, wo Drogendealer Mr. Big (Nein, nicht der aus "Sex and the City"!) alias Kananga (Yaphet Kotto) mit Hilfe von Voodoo-Tricks und seiner Geliebten/Wahrsagerin (Jane Seymour) einen großen Coup plant...

Besonders gelungen ist die Pre-Title-Sequenz, die erstmals ganz ohne Bond auskommt und die drei Morde in New York, New Orleans und auf einer Karibik-Insel schildert. Ebenso hervorragend: der anschließende Vorspann zum Paul McCartney-Song (welcher mittlerweile selbst ein Klassiker geworden ist). Mit den Voodoo- und Tarot-Elementen schafft der Film eine äußerst lebendige und originelle Atmosphäre. Die Musik stammt diesmal nicht von John Barry, sondern von George Martin, eine gute Wahl für einen moderneren Sound.

Roger Moore wirkt unbeeindruckt von der Erblast seines Vorgängers, Jane Seymours zarte Kartenleserin Solitaire gehört zwar wieder in die Kategorie naiv/doof, die Schauspielerin zeigt aber eine glaubwürdige Zerbrechlichkeit, die nicht beleidigend wirkt. Als Oberbösewicht muss Yaphet Kotto leider oft chargieren, udn seine Maske als 'Mr. Big' ist so durchschaubar, dass man sich ernsthaft fragt, wen der Film damit hinters Licht führen will, Blinde vermutlich.
Um den Kinoerfolg zu sichern, wurden in diesem und den nachfolgenden Beiträgen der Reihe aktuelle Kino-Trends aufgenommen, hier ist es das 'Blaxploitation'-Kino, das mit Bond nicht wirklich viel gemein hat, aber für nette Gegensätze sorgt.

Die Highlights: Bond bei den Krokodilen, Bonds Insel-Verfolgungsjagd per Bus, Clifton James' 'Sheriff Pepper' (der hier noch als Comic Relief gut funktioniert, was man von seiner Mitwirkung im folgenden Bond-Abenteuer nicht behaupten kann). Die enorm aufwändige Bootsjagd ist dagegen zwar gut inszeniert, dauert aber zu lang. Das Finale ist etwas sehr unspektakulär geraten, und das Ende wiederholt dreist die Orient-Express-Sequenz aus "Liebesgrüße aus Moskau" (spätestens hier beginnen die 007-Filme sich wiederholt selbst zu kopieren).

Minuspunkte: der Plot, bzw. der Masterplan von Kananga interessiert nicht die Bohne. Regisseur Guy Hamilton bekommt die Action-Szenen gut in den Griff, die Dialogszenen aber schleppen sich sehr zäh dahin und sind ohne Esprit in Szene gesetzt. Oft stehen die Figuren lediglich voreinander oder hintereinander und sagen ihren Text auf. Gerade in der ersten Hälfte hat LEBEN UND STERBEN LASSEN einige wirklich schlimme Durchhänger. Erst die Action-betonte zweite Hälfte reißt es wieder raus.

So gehört dieser achte Beitrag auch zu meinen am wenigsten geliebten Bonds. Obwohl er Exotik und Farbe bietet und mit dem Tarot-Motiv eine unverwwechselbare Atmosphäre besitzt, ist er doch sehr unvorteilhaft gealtert (mehr als frühere Beiträge) und kann heute nur schwer überzeugen. Das Publikum seinerzeit war jedenfalls begeistert, das ist die Hauptsache.

06/10

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