Dienstag, 11. Mai 2010

Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969)

IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (On Her Majesty’s Secret Service, kurz OHMSS genannt) ist mein persönlicher Favorit innerhalb der gesamten Bond-Reihe, ein episches, romantisches, spannendes und überraschend berührendes Abenteuer, in dem alle Zutaten stimmen, mit Ausnahme von einer: Sean Connery ist nicht mehr dabei.

Nach fünf Abenteuern und dem Bombast der vorigen Beiträge, dem er als Darsteller nichts mehr entgegenzusetzen hatte, weil die Figur Bond immer unwichtiger wurde, verließt er die Reihe (er sollte zurückkehren), an seiner Stelle übernahm das australische Werbe-Model George Lazenby die Rolle. Die Fans zeigten sich enttäuscht, der Film wurde nur durchschnittlich erfolgreich an den Kinokassen, Lazenby wurde allgemein als Fehlbesetzung eingestuft. Tatsächlich fehlt es ihm sowohl an Ausstrahlung als auch an schauspielerischem Talent. Aber er besitzt die Physiognomie eines Superagenten, er sieht gut aus, wirkt sicher in den Action-Sequenzen und kann im emotionalen Finale durchaus überzeugen. Sowohl die übrigen Darsteller als auch die enorme Qualität des Films machen diese „Schwäche“ locker wett, die für mich nach wie vor im Grunde keine ist.

In diesem sechsten Bond-Abenteuer reist Bond als schottischer Heraldiker verkleidet in die Schweiz, um den Unterschlupf seines Gegenspielers Blofeld (jetzt gespielt von Telly Savalas) zu enttarnen. Der plant mal wieder, die Welt zu erpressen und hat zu diesem Zweck einen Killervirus gezüchtet, der mit Hilfe seiner „Todesengel“ verbreitet werden soll. Bond verliebt sich ernsthaft in eine schwierige Heldin (Diana Rigg), die er schließlich vor den Traualtar führt – mit tragischen Konsequenzen.

Die Regie übernahm der ehemalige Cutter Peter Hunt, und er lieferte einen Film ab, der – wen wundert es – besonders durch seinen innovativen Schnitt überzeugt. Bereits die Pre-Title-Sequenz (ein Strand-Kampf zwischen Bond und Widersachern im Sonnenuntergang) setzt den Maßstab für den Rest des Films.
Die Schweizer Berglandschaft und Blofelds Alpenfestung sind überwältigend fotografiert, untermalt wird das Abenteuer wie üblich von einem majestätischen John Barry-Score. Diana Rigg ist als suizidale Tochter von Gangsterkönig Drago (Gabriele Ferzetti) perfekt besetzt und bringt zusätzliche Klasse in den Film. Zwischen Blofelds Todesngeln steckt übrigens in einer Kleinstrolle Joanna Lumley - somit befinden sich gleich zwei Leading Ladies der TV-Kultserie „Avengers“ an Bord (Rigg verließ für OHMSS die Serie, Lumley sollte später in den „New Avengers“ die weibliche Hauptrolle spielen). Dazu gibt es noch Willy Bogners irrwitzige Ski-Jagden, ein Stock-Car-rennen, den tödlichen Schlusskampf in der Eisbahn, eine unaufhaltsame Lawine, und und und.

Dem deutschen Verleih übrigens war OHMSS zu lang (oder zu unkorrekt), also schnitt man eine lange, stumme Sequenz heraus, die Bonds Einbruch in ein Anwaltsbüro schildert. Dabei gehört ausgerechnet diese Sequenz zum besten, was die Reihe je hervorgebracht hat, sie ist voller Suspense in klassischer Hitchcock-Tradition inszeniert. Was für eine Fehlentscheidung!

Lazenby hin oder her – OHMSS hat sich einen sehr guten Ruf erarbeitet, nachdem er zunächst durchfiel (wenn auch nicht so schlimm wie einige Lazenby-Gegner das gern kolportieren). Für mich ist und bleibt er das bestmögliche Bond-Spektakel aller Zeiten, auch weil Peter Hunts Film den Mut zu echter Emotion und einem Ende zeigt, das wahre Größe besitzt.

10/10

Kommentare:

  1. Auch wenn mich andere dafür steinigen werden:
    Für mich der beste Bondfilm aller Zeiten!

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  2. Da können wir uns die virtuelle Hand reichen, mir geht's genau so. :-)

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