Mittwoch, 12. Mai 2010

Im Angesicht des Todes (1985)

Probleme, Probleme...

IM ANGESICHT DES TODES (A View To A Kill) gilt bei vielen als schwächster Bond überhaupt. Roger Moore ist geschätzte 40 Jahre zu alt für seine Rolle und hat einen durchweg starren Blick, der ihm möglicherweise vom Schönheitschirurgen verpasst wurde (er wirkt sehr geliftet), der Masterplan des Oberbösewichts Zorin (Christopher Walken) - die Überflutung und Vernichtung von Silicon Valley - ist komplett uninteressant, Tanya Roberts versagt in der ödesten 'Bondinen'-Rolle seit Britt Ekland, der Film kommt insgesamt schwer von der Stelle, und das Finale erinnert doch sehr an "Indiana Jones und der Tempel des Todes", der im Vergleich um einiges rasanter und spektakulärer ausgefallen ist.

Doch es gibt auch Gutes.
Der Titelsong von Duran Duran klingt für jemanden, der - wie ich - in den 80ern groß wurde, immer noch klasse, und JOhn Barry kann den Song gut in seinen Score integrieren.
Weitere Highlights: die Verfolgungsjagd, in der Moore und Roberts in einem Feuerwehrwagen durch San Francisco und über eine Zugbrücke rasen, während sämtliche der sie verfolgenden Polizeiwagen zu Schrott fabriziert werden, der brennende Fahrstuhl, die Eiffelturm-Jagd, und der Schluss-Fight auf der Golden Gate Bridge - eine Sequenz, in der die Studio-Bauten perfekt zu den Real-Aufnahmen passen und eine makellose Illusion erzeugen.
Die mittlere Passage mit der verfeindeten Spionin Pola Ivanova (Fiona Fullerton) hat zwar nichts mit der Handlung zu tun, ist aber sehr amüsant ("Das kitzelt so an meinem... Tschaikowsky!"), und ein Film, in dem Patrick MacNee mitspielt, kann nicht wirklich schlecht sein. Auch Christopher Walken als russisches Gen-Experiment ist durchweg sehenswert.

Leider vermiesen zu viele Schlampigkeiten den Gesamteindruck. Moores Stunt-Double, das offenbar mehr Drehtage als Moore hatte, ist auf 100 Meter zu erkennen. Man muss Roger Moore zugute halten, dass er den Bond nach wie vor mit Nonchalance und konstantem Augenzwinkern spielt, er weiß, dass er zu alt für den Part ist. Seine Liebesszenen grenzen allerdings an Nekrophilie, folgerichtig darf er in der ersten Nacht mit Tanya Roberts auch nur Wache am Bett halten, anstatt sich mit unter die Laken zu lümmeln.

Tanya Roberts spielt eine Geologin (so wahrscheinlich wie Denise Richards als Atomphysikerin in "Die Welt ist nicht genug"), sie besitzt aber kaum Ausdruckskraft. Ihre einzige Trumpfkarte -eine athletische Figur - wird leider vom Film komplett verborgen. Die Kostümabteilung steckt die Ärmste ständig in wallende Sack-Kleider und beraubt sie damit allem Sex-Appeal. Zum Glück verleiht Grace Jones dem Film eine hübsch bizarre Note, sie ist das lebendigste Element in A VIEW TO A KILL. Trotz aller Schwächen muss ich gestehen, dass ich A VIEW TO A KILL irgendwie mag, so wie man ein missratenes Kind besonders mag.

100 Minuspunkte erhält dieses 14. Bond-Abenteuer übrigens bereits in der Pre-Title-Sequenz. Dort wird doch tatsächlich während einer Snowboard-Jagd John Barrys Musik abgestellt, um das völlig alberne "California Girls" einzuspielen - eine Beleidigung für Barry, die Zuschauer und die Bond-Reihe, von Ian Fleming ganz zu schweigen. Da wünscht man sich glatt eine nachträgliche Bearbeitung, in der diese Entgleisung endgültig beseitigt wird.

07/10

Kommentare:

  1. Hi Mathias,

    John Barry ist natürlich gut, kommt aber in den meisten Bonds vor. David Lee Roth ist bzw. war bestimmt auch nicht zu verachten. Sein Videoclip zu "California Girls" ist verdammt anturnend und auch sein "Just a Gigolo/I ain't got nobody" auf seiner CD "Skyscraper" macht beste Laune.

    Musikalischen Gruss

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  2. Hallo Ralf,
    bitte nicht missverstehen, ich habe gar nichts gegen David Lee Roth, aber die Art, wie hier ein Haha-Gag gemacht wird, der überhaupt nicht funktioniert und die Action-Sequenz kaputtmacht, ist schon krass.
    Gruß von Mathias

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  3. Hi Mathias,

    tja, ich sage nur Marketing, alles Marketing !

    In der Geschichte des Spielfilms ist die James-Bond-Franchise sicherlich der grösste und bedeutendste Werbeträger aller Zeiten !

    Gruss

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