Donnerstag, 13. Mai 2010

Goldeneye (1995)

Nach sechsjähriger kreativer Pause, in der kaum noch jemand mit einem neuen 007-Abenteuer gerechnet hätte, meldete sich die Reihe mit GOLDENEYE spektakulär zurück. Pierce Brosnan übernahm erstmals die Hauptrolle. Er war schon zuvor Wunschkandidat gewesen und füllte die Rolle so überzeugend aus, dass mit ihm auch der Erfolg zurückkehrte.
GOLDENEYE
war ein Riesenhit, und man muss es Regisseur Martin Campbell hoch anrechnen, dass er den bereits seit den 60ern etablierten Charakter in ein modernes Zeitalter mit neuen Feindbildern katapultiert hat.

In GOLDENEYE muss Brosnan/Bond einen entführten Kampfhubschrauber sicherstellen und gerät dabei an einen totgeglaubten Agentenkollegen (Sean Bean), der plant, ein russisches Waffensystem (das Goldeneye) zu stehlen, um damit das Londoner Finanzwesen ins Chaos zu stürzen...

Bereits die Pre-Title-Sequenz ist ein kleiner Actionfilm für sich und setzt den Maßstab für die kommenden Ereignisse (der Hang zu langen Pre-Title-Sequenzen nimmt leider in den folgenden Beiträgen absurde Ausmaße an). Die Helden und Schurken werden hier bereits etabliert, so dass der Film später auf eine lange Erzählung der Vorgeschichte verzichten kann. Die Action-Sequenzen, insbesondere die Zerstörung des russischen Goldeneye-Kontrollzentrums und eine Panzerfahrt durch St. Petersburg, bei der Bond die halbe Stadt in Schutt und Asche legt, werden von Campbell mit Schmackes in Szene gesetzt und wirken 15 Jahre später noch wuchtig. Die Vorspänne werden ab sofort nicht mehr von Maurice Binder, sondern vom Designer Danny Kleinman kreiert. Für GOLDENEYE ist ihm ein visuell herausragendes Feuerwerk an Motiven gelungen, die den Bond-Charakter, die Filmhandlung und die veränderte politische Weltlage aufgreifen.

Die zahlreichen Erneuerungen der bewährten Bond-Elemente machen den besonderen Reiz des Films aus. Zwar ist die (verjüngte) Miss Moneypenny immer noch in Bond verliebt, begegnet ihm aber auf Augenhöhe ("Man könnte das als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz auffassen, Mr. Bond" ist ein Satz, den wir schon immer hören wollten!), und mit Judi Dench erhält Bond nicht nur einen weiblichen Chef, sondern auch ein starkes Gegenüber ("Für mich sind Sie ein Dinosaurier, ein Relikt des Kalten Krieges, Bond!"). Judi Dench hat ihrer Rolle einen unvergleichlichen, respekteinflößenden Stempel aufgedrückt. Sie bekommt vom Drehbuch die besten Dialoge und ist eine echte Bereicherung für die Reihe.
Pierce Brosnan selbst agiert hin und wieder etwas steif und überbetont die Ernsthaftigkeit seiner Interpretation. Ich persönlich bin ohnehin kein großer Fan von Brosnan, allerdings ist er als 007 die passende Besetzung. Mit Sean Connery kann er trotz Smoking, Casinos und anzüglicher Scherze nicht konkurrieren. In den heiteren Momenten wirkt er am überzeugendsten (etwa, wenn er genervt die Waffe auf die ringkämpfende Xenia Onatopp in der Sauna richtet: "Nein, nein, NEIN!").

Zusätzlich wird Brosnan von einer ganzen ganze Schar charismatischer Nebendarsteller unterstützt. Robbie Coltrane, Sean Bean und Gottfried John sind ausgezeichnete Schauspieler, die dem Film Klasse verleihen, Famke Janssen als mörderische Sexbestie Xenia Onatopp und der wundervolle Alan Cumming als irrer Computerfreak Boris sind geradezu phänomenal. Besonders Janssen hat begriffen, dass Bond-Schurken stark überzeichnet sein dürfen, und so spielt sie in ihren Szenen alle Kollegen locker an die Wand. Als Bond-Girl Natalya darf Izabella Scorupco schön, intelligent und sensibel sein, eine willkommene Frauenfigur und Abkehr von den angestaubten Bikini-Schönheiten von damals.

Einige Schwächen weist auch dieses Abenteuer auf. Der Versuch, Bond neu zu definieren, wird gelegentlich übertrieben, und die küchenpsychologische Beurteilung durch Natalya (welche vermutet, die vielen Martinis würden Bond die Frauen vergessen lassen, die für ihn gestorben sind) grenzt an Albernheit. Der Film ist dazu ein paar Ecken zu lang, und das Finale packt nicht so, wie es sollte. Der Soundtrack von Eric Serra kann kaum begeistern, ihm fehlt das typische Bond-Flair.

Nichtsdestotrotz bleibt GOLDENEYE der beste Brosnan-Bond, ein spannendes Action-Abenteuer mit trockenem Witz, intelligenter Handlung und klasse Schauspielern. Auf ins neue Jahrtausend!

08/10

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