Montag, 3. Mai 2010

Final Call (2004)

Es gibt Filme, deren unglaubwürdige Prämisse man schlucken muss, um sich dann 90 Minuten lang gut zu amüsieren. - Und dann gibt es Filme wie FINAL CALL (Cellular), die nach der unglaubwürdigen Prämisse 90 Minuten lang eine weitere unglaubwürdige Situation nach der nächsten erzählen, bis das Gehirn freiwillig das Handtuch wirft.

In diesem Thriller spielt der junge Chris Evans einen verantwortungslosen "Teenager" (der wie in allen amerikanischen Filmen viel zu alt besetzt ist), der auf seinem Handy einen Anruf von der verzweifelten Kim Basinger erhält, welche gerade von Jason Statham entführt wurde. Sie weiß nicht, warum, oder wo sie sich befindet, aber dieser Anruf ist ihre einzige Chance auf Rettung. Doch die Verbindung darf nicht abbrechen...

Automatisch fällt einem bei diesem Szenario Jan de Bonts Action-Hit SPEED (1994) ein. Nicht nur versuchen beide Filme, mit Witz und Tempo eine absurde Ausgangslage so geschickt zu tarnen, dass man nicht weiter über deren Sinnlosigkeit nachgrübelt, beide Filme können auch einen Hauptdarsteller vorweisen, dessen attraktives Äußeres weit über seine darstellerischen Fähigkeiten hinausgeht (die beiden durften übrigens 2008 in "Street Kings" gemeinsam auftreten). Nun kann FINAL CALL als eher bescheidener B-Film nicht mit einem SPEED konkurrieren, und das merkt man in jeder Szene. Der Witz beginnt gleich in der ersten Sequenz, wenn Kim Basinger mit Sonnenbrille, schwarzem Designer-Kostüm und unechter Pornostar-Frisur ihren Sohn zum Schulbus bringt und wir erfahren, sie sei Biologie-Lehrerin.

Ja, richtig, Biologie-Lehrerin!!

Wenn ich alle weiblichen Lehrkräfte, mit denen ich es in meiner Jugend zu tun hatte, Revue passieren lasse, dann ist da nicht wirklich eine Kim Basinger dabei. Aber egal, wir liebten ja auch alle Sharon Stone als Lateinlehrerin im Cocktailkleid in "Diabolisch", also was soll's?
Später im Film sagt Basinger, dass ihre Familie nicht viel Geld habe, aber ihr verschwenderisches Haus samt spanischem Hausmädchen könnte sich nur ein Bill Gates leisten.
Damit man nicht über solche Dinge nachdenken muss, darf Chris Evans bereits die gesamte Exposition halbnackt absolvieren und bekommt auch im Rest des Films ordentlich Gelegenheit, seine Talente vorzuführen - lächeln, rennen, noch mal lächeln, Muskeln spielen lassen. Dass er als männliches Pin Up ein echter Hingucker ist, darüber muss nicht gestritten werden.

Damit der Plot halbwegs funktioiniert, müssen ständig irrsinnige und unlogische Situationen konstruiert werden. So hat Evans' Handy seltsamerweise keinen Empfang im Polizeirevier, was ihn davon abhält, den Anruf einfach an einen Polizisten weiterzugeben (nach diesem einen gescheiterten Versuch kommt ihm übrigens nie wieder die Idee, einfach einen Polizisten auf der Straße anzuhalten). Komischerweise bricht der Empfang aber nie ab, wenn er mit 200 Sachen über die Stadtautobahn oder Großbaustellen rast und wahrscheinlich mehrere Menschenleben bei seinen Crashs auslöscht.
Als Evans den Wagen eines Sicherheitsbeamten stiehlt, findet sich praktischerweise eine Pistole im Handschuhfach, die er dazu benutzt, in einem überfüllten Handy-Geschäft mit gezogener Waffe nach einem Ladegerät zu verlangen, weil sein Akku schlapp macht. Das bereits angesprochene Biologie-Studium kommt Kim Basinger zu Hilfe, als sie einen ihrer Entführer namens Dimitri (natürlich!) mit einer Glasscherbe tödlich anritzt und ihm noch einen kurzen Vortrag hält, während er stirbt - nach einem letzten "tut mir leid" rennt sie dann endlich davon.

William H. Macy als Cop vor der Pensionierung, der mit seine Frau eine Wellness-Oase eröffnen will und bunte Gesichtsmasken ausprobiert, ist das einzig echte Highlight von FINAL CALL. Ansonsten muss man in sehr guter und gnädiger Stimmung sein, den Verstand ausschalten und Alkohol bereit stellen, dann kann man sich mit diesem Thriller nett unterhalten.

Das Drehbuch stammt übrigens von Kult-B-Filmer Larry Cohen, der auch das Buch zu "Nicht auflegen" (Phone Booth, 2002) schrieb. Der Mann scheint von Telefonen besessen zu sein!

07/10


RUF - MICH - AN!

Kommentare:

  1. Die Frauen im Film sind überhaupt ein Traum: Kim als verheulte Mutter, eine mexikanische Haushaltshilfe, die nach einem Satz Text midleidlos abgeknallt wird (auch Kim weint ihr keine Träne nach), eine ebenfalls mit Akzent sprechende falsche Kim, die wegen ihres Akzents auch bald als Fälschung enttart und bambam totgeschossen wird & ansonsten jede Menge doofe Mietzen am Strand. Das optische Konzept des Films sind: tits and ass - und das weiche, flaumige Brusthaar des Hauptdarstellers. Lecker.

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