Montag, 31. Mai 2010

Duell (1971)

Steven Spielbergs erster Spielfilm wurde fürs US-Fernsehen produziert, war aber so erfolgreich, dass er in Europa auch in die Kinos gelangte.
DUELL (Duel) ist einer der spannendsten Thriller aller Zeiten, und das ohne viel Dialoge, Aufwand oder Effekte. Ein perfekter Drehbuchaufbau von Richard Matheson, die überzeugende Leistung von Dennis Weaver in der Hauptrolle und Spielbergs virtuose Erzähltechnik haben DUELL über die Jahrzehnte frisch und aufregend gehalten.

Die Story: Auf seiner Fahrt durch Kalifornien wird der Geschäftsreisende David Mann (Weaver) scheinbar grundlos von einem Truck verfolgt. Offenbar trachtet ihm der Fahrer nach dem Leben. Alle Versuche, mit dem (unsichtbaren) Verfolger in Kontakt zu treten, scheitern. Bald muss David um sein Leben fahren, und einer von ihnen wird diese Jagd nicht überleben...

Hier steckt viel drin, beginnen wir mit dem Offensichtlichen, den Hitchcock-Zitaten. Spielberg hat ohne Zweifel vom Besten gelernt und macht das auch deutlich. Zu den Reminiszenzen gehören die inneren Monologe Weavers während der Autofahrt (ebenso wie die Highways erinnern sie an "Psycho"), und wie Hitchcocks "Vögel" scheint auch der Truck einer übergeordneten Zerstörungskraft zu gehorchen, die Bedrohung kommt aus dem Nichts und schlägt unbarmherzig zu. Die berühmte Maisfeld-Sequenz aus "Der unsichtbare Dritte" ist das Vorbild für den gesamten Film.

Dennis Weaver spielt überzeugend einen Jedermann (sein Name ist Programm), wir sollen uns mit ihm identifizieren, und das gelingt Spielberg einerseits dadurch, wie er seine Kamera führt uns uns stets in Weavers Rolle hinter dem Steuer zwingt, andererseits durch Weavers Reaktionen, die exakt dem entsprechen, was wir alle durchmachen würden, wenn wir in seiner Lage wären, verstärkt durch dessen hörbare Gedankengänge - was will der Unbekannte, was soll ich tun? Soll ich einfach weiterfahren oder ihn konfrontieren? Was könnten seine Beweggründe sein? - Weavers anfängliche Genervtheit wird zunehmend zu Nervosität und schließlich nackter Panik. Man schwitzt und leidet mit ihm. Er hat nichts heldenhaftes, im Gegenteil, wir erfahren ganz nebenbei, dass seine Frau zu Hause das Sagen hat und sein Leben nicht weiter bemerkenswert verläuft.

So wird das Duell des Jedermann gegen den unbekannten Feind auch zu einem archaischen Kräftemessen. Weaver muss beweisen, dass er als 'Mann' und Mensch der Bestie überlegen ist. Kein Zufall, dass der Truck einen mehr als altmodischen Eindruck macht und ein urzeitliches Dinosauriergrunzen ausstößt, wenn er am Ende in den Abgrund stürzt und sich Weaver wie ein kleines Kind freut. Martin Scorsese hat das Konzept für seinen Schlusskampf in "Cape Fear" wieder aufgegriffen. Der Mensch wird aller zivilisatorischer Merkmale entledigt und auf den niedersten Instinkt reduziert - den Überlebenskampf.

In seinem späteren Welterfolg "Der weiße Hai" (Jaws, 1975) sollte Spielberg erneut vom Kampf Mensch gegen Bestie erzählen. Neben solchen Lesarten aber bleibt DUELL ein hochspannender, nervenzerrender Film, der von Beginn an fesselt und den Zuschauer bis zum Ende nicht mehr loslässt.
Warum nur kann ein Steven Spielberg heute nicht einfach wieder einen Film von solch schlichter Klasse inszenieren? Ich würde es mir wünschen.

10/10

1 Kommentar:

  1. Ja, toll, was für ein nervenzerrender Film! Autofahrers und Jedermanns Urängste. großartig. Und im Gegensatz zu "Cape Fear" kommt das archaische Thema "Mensch vs. Bestie" völlig unangestrengt rüber. einfach ein super spannender Film. Ich hätte ihn zu gern in den 70ern in einem Vorstadtkino voller kreischender Leute gesehen! Leider hätt ich da noch nicht rein gedurft. Ich bin eben einfach zu jung, tja...

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