Freitag, 14. Mai 2010

Die Welt ist nicht genug (1999)

Man kann das 19. Bond-Abenteuer DIE WELT IST NICHT GENUG (The World Is Not Enough) sehr simpel mit "Best Of" beschreiben. Beinahe alle Action-Sequenzen waren so oder so ähnlich schon einmal in der Reihe zu sehen, Denise Richards führt eine lange Tradition von absurden Frauenfiguren fort, und so kommt der Film nie über seine eigenen gesteckten Regeln hinaus.

Brosnan/Bond soll eine Millionärstochter und Ölbaronin (Sophie Marceau) beschützen, welche aber mit ihrem ehemaligen Entführer und jetzigem Geliebten (Robert Carlyle) unter einer Decke steckt. Gemeinsam planen sie, mit einer Atombombe (mal wieder) Istanbul in die Luft zu jagen, um für eine eigene Öl-Pipeline ein Monopol zu schaffen...

Wer sich für Öl-Pipelines interessiert, dürfte seinen Spaß an der Handlung und dem Masterplan haben. Alle anderen (wie ich) zucken höchstwahrscheinlich nur mit den Schultern. Was die Überzeugungskraft des Plots angeht, rangiert DIE WELT IST NICHT GENUG auf einer Ebene mit "A View To A Kill".

Es gibt überhaupt nur zwei Gründe, sich den Film anzusehen: Marceau und Carlyle.

Mit Sophie Marceau bekommt 007 zum ersten Mal einen weiblichen Widersacher. Als zunächst zerbrechlich wirkende, später aber immer bösartiger und abgebrühter agierende Gegenspielerin ist Marceau durchweg faszinierend und liefert eine wirklich vielschichtige Darstellung, wie sie so nur selten in Bond-Filmen zu sehen ist. Mit Carlyle verbindet sie eine komplexe Beziehung, die aus dem berühmten Stockholm-Syndrom heraus entstanden ist. In gegenseitiger Abhängigkeit voneinander bilden beide ein ungemein interessantes Bösewichts-Paar, wenn man von einer eher plumpen erotischen Szenen absieht, in der Eiswürfel aus der Klischee-Schublade Nr. 1 für Film-Erotik eine wichtige Rolle spielen. Wenn Brosnan vor dem Finale Sophie Marceau erschießt ("You'll Miss Me", sagt sie, woraufhin er abdrückt und "I Never Miss" erwidert, ein geradezu entzückendes Wortspiel), hinterlässt dies einen bitteren Nachgeschmack, auch weil mit ihr der beste Part des Films gekappt wird.

Judi Dench als "M" bekommt hier durch ihre Entführung im Mittelteil deutlich mehr zu tun als in den vorigen Filmen, was offensichtlich ihrem Beliebtheitsgrad zuzuschreiben ist, doch gehören die Szenen, in denen sie - 'MCGyver'-ähnlich - in ihrem Gefängnis einen Wecker umfunktioniert, zu der Sorte Einfällen, die auf dem Papier besser funktionieren. Sie berauben die Darstellerin ihrer Sonderstellung im Ensemble und machen sie klein.
Robbie Coltrane wiederholt seine Rolle aus "Goldeneye" und sorgt für ein wenig Humor, Denise Richards als Atomphysikerin zu besetzen ist bereits ein Affront in sich, sie dann noch wie Lara Croft auszustaffieren und mit absurden Dialogen zu versehen, grenzt an Beleidigung des Zuschauers. Die müden Witze, die über ihren Filmnamen 'Dr. Christmas Jones' gerissen werden ("Ich dachte, Weihnachten kommt nur einmal im Jahr...") machen alles noch schlimmer. Der Auftritt von John Cleese als Q's Assistent und Nachfolger ist weit weniger witzig als er versucht, zu sein.

Die Highlights: die atemberaubende, aber viel zu lange Pre-Title-Sequenz, nach der man als Zuschauer bereits erschlagen ist und kaum noch einen ganzen Spielfilm erwartet, die Titelsequenz, der Song von "Garbage", der wunderbare Ulrich Thomsen in einer etwas undankbaren Nebenrolle, das U-Boot-Finale, welches den engen Schauplatz gut ausnutzt und einen interessanten Gegensatz zum üblichen Overkill bietet.

DIE WELT IST NICHT GENUG wirkt insgesamt wie "Malen nach Zahlen". Alle Farben sind schon am richtigen Platz, aber das Ganze wird selten lebendig oder originell. Es gibt keinen einzigen Einfall, der als herausragend zu bezeichnen wäre. Doch wer sich hier beschwert, hat den Nachfolger noch nicht gesehen...

07/10

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