Freitag, 14. Mai 2010

Der Morgen stirbt nie (1997)

Nachdem das Publikum Pierce Brosnan als neuen Bond umgehend akzeptiert hatte, brauchte man seitens der Produktion keine Gedanken mehr an eine Etablierung oder Erweiterung des 007-Charakters zu verschwenden und beschloss stattdessen, eine Action-Orgie sondergleichen abzuliefern. Das ist 100 %ig gelungen.
DER MORGEN STIRBT NIE (Tomorrow Never Dies) bietet eine wahnsinnige Materialschlacht und hetzt von einem Action-Höhepunkt zum nächsten. Die Story und die wirklich guten Ideen bleiben dabei leider auf der Strecke.

In diesem 18. Bond-Abenteuer muss Brosnan/Bond gegen den Medienmogul Elliot Carver (Jonathan Pryce) antreten, der für seine Tageszeitung nicht nur die Schlagzeilen selbst organisiert, sondern auch (wieder mal) den nächsten Weltkrieg initiieren möchte...

Was auch immer für satirisches Material über die Macht der Medien im Film steckt, es wird komplett unter Action begraben. Bereits die Pre-Title-Sequenz ist so gewaltig geraten, dass der folgende Film kaum noch Steigerungspotential hat. Nach dem erneut brillanten Vorspann-Design von Danny Kleinman und dem so lala-Song von Sheryl Crow stürzt sich die Story nach kurzer Verschnaufpause gleich wieder in den Overkill. Die endlose Parade von Verfolgungsjagden, Explosionen und Schießereien wird dabei schnell ermüdend, und das Finale auf Carvers Schiff im chinesischen Meer fällt stumpfsinnig und uninteressant aus. Man wartet, dass der Film endlich vorbei ist. Beim ersten Sehen gibt es viel an DER MORGEN STIRBT NIE zu bestaunen, einem wiederholten Sehen hält der Film aber nicht stand - während man einen "Goldfinger" immer wieder gut anschauen kann. Dass Bond-Filme nicht mehr für die Ewigkeit gemacht werden, sondern nur noch auf das erste Einspiel-Wochenende-hin konzipiert werden, war nie deutlicher als bei diesem Beitrag (und "Ein Quantum Trost").

Schauspielerisch gibt es nichts Aufregendes zu sehen. Brosnan bekommt nur wenig Gelegenheit für amüsante Dialoge, Jonathan Pryce hat offensichtlich Spaß an seiner Rolle, wirkt aber mehr lustig/irre als beängstigend, Handlanger Götz Otto kommt über Klischees nicht hinaus. Teri Hatcher als Bonds tragische Ex-Geliebte und Ehefrau von Pryce ist nicht der Rede wert (wobei sie noch nicht ganz so zombiehaft wirkt wie als magersüchtige, geraffte und getackerte "Desperate Housewife"), Michelle Yeoh absolviert die Martial Arts-Sequenzen souverän, Sex-Appeal spielt aber keine Rolle, ihre Mitwirkung riecht stark nach reiner Verkaufsstrategie für den asiatischen Markt.

Die Highlights: Bonds Flucht per ferngesteuertem BMW (wenngleich zu lang), Judi Dench ("Als Frau muss ich meine Entscheidungen wenigstens nicht mit meinen Eiern treffen!"), Brosnans und Yeohs Sprung von Pryces Wolkenkratzer... das war's dann auch schon.

Schlimme Entgleisungen früherer Bonds wie "California Girls", Tarzan-Schreie oder dumme Blondinen gibt es nicht in DER MORGEN STIRBT NIE, er ist auf jeder Ebene professionell und solide gemacht, aber es fehlen Herz und Humor. Ein Spektakel, dem man zuschaut, das aber nie berührt.

06/10

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