Dienstag, 11. Mai 2010

Der Mann mit dem goldenen Colt (1974)

Für viele einer der schwächsten Beiträge zur Bond-Reihe, gibt es doch einiges an diesem neunten Abenteuer zu bewundern, das außerdem einen der interessantesten Gegenspieler auffährt - und das mit Abstand dämlichste Bond-Girl dazu.

Worum geht es? Eine goldene Kugel mit den Initialen 007 trifft beim britischen Geheimdienst ein, sie stammt (vermeintlich) von Auftragskiller Scaramanga (Christopher Lee), der eine Million pro Hit erhält und es nun scheinbar auf unseren Superagenten abgesehen hat... oder steckt ein ganz anderer dahinter?

Die Story klingt spannend, ist auch gut erfunden, und zumindest für die erste Stunde kann DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT (The Man with the Golden Gun) ausgezeichnet unterhalten. Es gibt wunderschöne Locations zu sehen (Scaramangas Insel im Rotchinesischen Meer, Beirut, Macao, Bangkok, Hong Kong und andere), Bond kommt schnell von A nach B, John Barrys Musik hält alles zusammen (den kreischigen Popsong von Lulu mit dem eindeutig zweideutigen Text à la "Who Will He Bang?" vergessen wir lieber).

Weitere Highlights: Maud Adams als Scaramangas Geliebte, das Versteck des Geheimdienstes im Bauch der halb gesunkenen "Queen Elizabeth" vor der Küste, die Ermordung eines weiteren Agenten durch Scaramanga vor einem Strip-Club (dem "Bottoms Up"...), Hervé Villechaize als kleinwüchsiger Handlanger Schnickschnack, die Karate-Schule, der berühmte 360°-Auto-Stunt, und Scaramangas Halle der Illusionen, die sehr an ein Set aus "Mit Schirm, Charme und Melone" erinnert.

Leider verliert der Film irgendwann sein Interesse an der Handlung. Ist das erste Zusammentreffen von Moore und Lee noch sehenswert (während eines Sumo-Ringkampfes, mit der toten Maud Adams im Sitz nebenan), bleibt das finale Duell der beiden leider enttäuschend belanglos. Die schlimmste Beleidigung des Zuschauers ist dabei Britt Ekland als Agentin Mary Goodnight, die sich in Kofferräume schubsen lässt, eine Nacht in Bonds Kleiderschrank verbringen muss und im Finale mit ihrem Hinterteil beinahe seinen Tod verursacht. Attraktivität ist eben nicht alles, und Mitte der 70er war eine so schlimme Frauenrolle ganz und gar nicht zeitgemäß.

Dafür reißt Christopher Lee vieles wieder heraus. Sein Scaramanga ist ein faszinierender Bösewicht, mit guten Manieren und oberflächlicher Höflichkeit, im Inneren aber verkommen und eiskalt. Er hat Spaß an der Demütigung (und Ermordung) seiner Geliebten, ist Geld- und machtgierig und betrachtet die Beseitigung seines "Spiegelbildes" Bond als kommendes Meisterwerk. Lee ist grandios in dieser Rolle, und man würde sich wünschen, dass der Film es schafft, diese beiden Kontrahenten in einem aufregenderen Finale aufeinandertreffen zu lassen. Einen weiteren (dicken) Minuspunkt gibt es für Sheriff Pepper (Clifton James), der nach "Leben und sterben lassen" seinen zweiten Auftritt hat, statt für Lacher aber nur für genervtes Kopfschütteln sorgt.

Für mich gehört DER MANN nicht zu den schlechtesten Bonds, weil er einfach gut anzuschauen ist und ein nettes 70er-Feeling ausstrahlt, aber er hätte mit ein bisschen mehr Mühe doch so viel besser werden können.

07/10

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,

    für mich als alten Asienfan rangiert dieser Bond in meiner Beliebtheitsskala ziemlich weit oben. Habe seinerzeit einige der Drehorte in Thailand besucht, auch den sog. "J.B.-Felsen". Habe dort vergebens auf Schnickschnack und eine Flasche Schampus gewartet. Scaramangas Bleibe war leider schon aufgelöst worden. Im heutigen Zeitalter des Massentourismus wirkt DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT leider nicht mehr so magisch wie damals.

    Gruss

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  2. Hallo Ralf, da wäre ich auch gern mal gewesen, ich finde, das ist eine der schönsten Bond-Locations überhaupt! Nicht zuletzt mag ich den Film auch deswegen. Gruß von Mathias

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