Mittwoch, 12. Mai 2010

Der Hauch des Todes (1987)

Nach "Im Angesicht des Todes" konnte Roger Moore auf keinen Fall mehr die Hauptrolle in einem weiteren Bond übernehmen - besonders nicht, nachdem sich die meisten Kritiker über seine Mitwirkung im Vorgänger lustig gemacht hatten. Die Suche nach einem neuen Darsteller endete zunächst bei Pierce Brosnan, der aber noch bei seiner TV-Serie "Remington Steele" unter Vertrag stand und sich daraus nicht befreien konnte. Schlussendlich übernahm Timothy Dalton die 007-Rolle.

Dalton ist ein ausgezeichneter Schauspieler mit klassischer Ausbildung, der Ernsthaftigkeit und Tiefe in die Bond-Figur zurückbringt, allerdings fehlt ihm das sympathische, einnehmende Wesen von Connery oder Moore, er bleibt immer etwas zu spröde und unnahbar, man möchte fast "intellektuell" sagen. Das Publikum zeigte sich wohlwollend, wurde mit Dalton aber auch nie ganz warm.

Für DER HAUCH DES TODES (The Living Daylights) wurde keine Neuerfindung der Reihe gesucht, sondern auf Altbewährtes gesetzt. Als 007 verhilft Dalton zunächst einem vermeintlichen Überläufer (Jeroen Krabbé) zur Flucht, um dann festzustellen, dass die Aktion ein Ablenkungsmanöver war. Krabbé plant gemeinsam mit einem Waffenhändler (Joe Don Baker) einen großen Opium-Coup, und eine fingierte Operation namens "Smiert Spionom" soll britische Agenten ausradieren...

Das Beste am HAUCH DES TODES ist sein epischer Atem.
Nach dem statischen "View To A Kill", der kaum aus den USA herauskam, bietet das 15. Bond-Abenteuer wieder sehenswerte Locations rund um den Erdball: Gibraltar, die Slowakei, Wien, Tanger und Afghanistan. John Barry fährt für seinen letzten Bond-Score noch einmal alles auf, was seinen Sound so unverwechselbar gemacht hat. Daltons Bond ist ein kühler und desillusionierter Profi, dem eine Entlassung aus dem Dienst Ihrer Majestät nicht viel ausmachen würde. Er erhält vom Drehbuch gleich in den ersten Sequenzen mehr Charakter, als Roger Moore je bekommen hat.

Ihm zur Seite steht mit Maryam D'Abo wieder eine Blondine aus der Schublade "naiv", doch ebenso wie Jane Seymour in "Leben und sterben lassen" wirkt sie dabei recht glaubwürdig und sympathisch. 1987 befand sich die AIDS-Hysterie noch auf dem Höhepunkt, so darf Timothy Dalton in diesem Film nicht die üblichen Verführungs-Orgien an den Tag legen und auch mit D'Abo vor dem Abspann nicht das Bett teilen. Der "monogame" Bond wurde allgemein als große Enttäuschung empfunden, auch wenn man die Entscheidung irgendwie nachvollziehen kann ("Ingrid, das ist doch nur ein Film!" würde ich dazu sagen).

Die Widersacher enttäuschen leider auf ganzer Linie. Jeroen Krabbé ist ein Clown, der Bond ständig übertrieben herzt und sich von Schönheiten am Pool befummeln lässt. Joe Don Baker als Waffenhändler, der sich ein Museum mit nachgestellten Schlachten gönnt, ist ebenso eine Nullnummer. Ob die beiden Opium schmuggeln oder in China der berühmte Sack Reis umfällt, wen interessiert's? Nur Andreas Wiesniewski kann als durchtrainierter Handlanger - insbesondere während einer frühen Action-Sequenz (ohne Bond), in der er sich durch eine noble Küche kämpft - Pluspunkte sammeln.

Insgesamt ist DER HAUCH DES TODES ein relativ braver Beitrag geworden, der sich gut anschauen lässt, dem aber das gewisse Etwas fehlt. Dazu gehören Sex-Appeal, Humor und Übertreibungen - alles Elemente, die letztlich doch den Reiz der Reihe ausmachen.

07/10

Kommentare:

  1. Hi Mathias,

    habe ich den Gag nicht verstanden ?
    Wer ist Ingrid ?

    Gruss

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  2. Hallo Ralf, des Satz stammt von Hitchcock (zu Bergman), damit wollte ich nur ausdrücken, dass ein nicht-monogamer Bond sicher nicht sämtliche Zuschauer zu hemmungslosem, ungeschütztem Verkehr ermutigt hätte. Diese Über-Vorsicht finde ich doch etwas albern.

    Gruß von Mathias

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  3. Oh je Mathias,

    da jagt doch wieder ein Missverständnis das nächste.

    Ich bin jedenfalls froh, dass Frau Bergman nach Beendigung ihrer Karriere noch einen guten Job bei der TAGESSCHAU bekommen hat !

    Pfingstlichen Gruss

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  4. Äh... war das nicht Frau Berghoff?

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