Montag, 10. Mai 2010

Das Geheimnis der Dame in Schwarz (1960)

Michael Gordon inszenierte 1960 dieses Krimi-Melodram mit Thriller-Anleihen, das zwar einige Schwächen aufweist, insgesamt aber schöne, altmodische Hollywood-Unterhaltung mit überraschenden Wendungen bietet.

Lana Turner spielt die Ehefrau eines reichen Tyrannen, den sie mit Hilfe seines Doktors/ihres Geliebten (Anthony Quinn) um die Ecke bringen möchte. Der Mord gelingt, aber plötzlich taucht ein anonymer Erpresser auf. Bald schon kann das mörderische Paar niemandem mehr trauen, am wenigsten sich selbst...

1960 markierte das Jahr von Hitchcocks "Psycho", und im Vergleich wirkt DAS GEHEIMNIS DER DAME IN SCHWARZ (Portrait in Black) hoffnungslos veraltet. Zu oft greift Gordon auf melodramatische Elemente zurück. Lana Turner und Anthony Quinn spielen - dazu passend - äußerst übertrieben und geraten hin und wieder in den Bereich der unfreiwilligen Komik, wenn sie ihre Liebes- und Leidensszenen vortragen (siehe Poster). Anthony Quinn muss überhaupt als größte Enttäuschung im Film genannt werden, was auch an seiner Rolle liegt. Nach dem erfolgreich ausgeführten Mord bekommt er es mit den Nerven, jammert und barmt den Rest des Films herum und bleibt im Grunde ein feiger Schwächling. Das macht zwar für die Auflösung der Geschichte Sinn, ist aber nicht schön anzuschauen.

Lana Turner dagegen spielt wie immer Lana Turner, mit Juwelen und Pelzen bestückt, immer der Glamour-Star, jedes Haar ist auch in den schlimmsten Situationen an seinem Platz (20 Uhr, Mord, die Frisur sitzt). Filmtochter Sandra Dee gibt erneut den braven (und sterbenslangweiligen) Teenager, der sich gern den hübschen John Saxon angeln möchte, als dubiose Hausangestellte spielen Ray Walston und Anna May Wong (die bei jedem Auftritt von "mysteriöser" asiatische Musik begleitet wird...).

Die Stärken des Films liegen im Drehbuch, das den Plot durch mehrere Wendungen am Laufen hält und die Identität des Erpressers so gut verschleiert, dass man nicht unbedingt mit der Nase darauf gestoßen wird. Einige Sequenzen sind hochspannend (wenngleich sämtlich übertrieben), etwa wenn Turner eine Leiche beseitigen und dafür einen Wagen steuern muss, was sie noch niemals zuvor getan hat - und dabei prompt von der Polizei beobachtet wird. Obwohl Turner und Quinn nicht durchweg sympathisch gezeichnet sind, hofft man doch, dass sie mit dem Mord durchkommen (nicht umsonst wurde des Opfer als kaltherziges Ungeheuer denunziert - was selbstverständlich einen Mord rechtfertigt), weiß aber, dass dies nicht passieren wird.

Produziert wurde PORTRAIT IN BLACK von Ross Hunter, der stets großen Wert auf verschwenderische Ausstattung, Starbesetzung und "großes Gefühlskino" legte. So wäre dieser Thriller mit etwas weniger von allem deutlich effektiver geworden. Glaubwürdig ist er keine Minute, kann aber letztlich doch gut unterhalten.

07/10

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