Mittwoch, 19. Mai 2010

Das Dorf der Verdammten (1995)

Ein friedliches Dorf wird von einer außerirdischen Macht in kollektiven Tiefschlaf versetzt. Kurz darauf sind alle Frauen schwanger und gebären seltsame Kinder mit weißen Haaren und leuchtenden Augen, die telepathische und mörderische Fähigkeiten besitzen...

Es ist immer ein Kreuz mit Remakes von Horror-Klassikern, besonders wenn sich etablierte Regisseure, die ihren Höhepunkt bereits überschritten haben, daran versuchen. John Carpenter, einst Garant für spannungsgeladenes, intelligentes Erzählkino, hat nun seit mehreren Jahrzehnten kein wirklich richtungsweisendes oder erfolgreiches Werk abgeliefert und präsentiert mit dem DORF DER VERDAMMTEN (Village of the Damned) seine vielleicht schwächste Arbeit - zumal das Original so stark, düster und beängstigend gewesen ist.

Bei Carpenter kommt hingegen nie Spannung auf. Trotz mehrerer Horror-Momente plätschert der Film lustlos vor sich hin, und einzig im Finale wird man ein wenig in das Geschehen hineingezogen. Too little, too late, wie der Amerikaner sagt. Das reicht nicht, um den lahmen Gesamteindruck zu zerstören.

Dabei beginnt DAS DORF DER VERDAMMTEN sehr eindringlich mit einer beeindruckenden Titelsequenz und unterhaltsamer Exposition, in der die verschiedenen Ensemblemitglieder vorgestellt werden. Auch die Szenen um das kurze Koma der Dorfgemeinde sind ansehnlich. Danach aber bricht die Handlung unter der Last der vielen unbeantworteten Fragen zusammen, zu denen sich auch so nebensächliche, aber irritierende gesellen wie "Warum tragen alle Kinder die gleichen Klamotten?" Gut, natürlich soll sich die Gruppe visuell abheben, aber ehrlich, wie glaubwürdig ist das? Gibt es in dem Dorf einen Laden, in dem Sack-Kleider für außerirdische Sprösslinge angeboten werden? Und welche Frau würde ernsthaft ein Kind zur Welt bringen, das ihr womöglich von einer außerirdrischen Intellizenz im Koma eingepflanzt wurde? Warum gehen die Kinder überhaupt zur Schule, wo sie doch den Menschen ohnehin überlegen sind und sie niemand zwingen kann? Warum hat Kirstie Alley so viel zugenommen seit "Fackeln im Sturm"?

Ein paar gute Dinge gibt es am Film. Visuell ist er wie alle Carpenter-Filme uneingeschränkt genießbar. Die Widescreen-Bilder sind exquisit konzipiert, Carpenters Musik wie immer gelungen, wenn auch nicht genial. Die Besetzung ist interessant und besteht aus vielen Gesichtern, die man nicht jeden Tag sieht. Linda Koslowski, Christopher Reeve und Michael Paré sind allesamt fähige und sympathische B-Darsteller, Kirstie Alley ist ohnehin immer eine Klasse für sich und als zynische Wissenschaftlerin mit dunklem Geheimnis hübsch gegen den Typ besetzt. Nur "Luke Skywalker" Mark Hammill ist mittlerweile so abgetakelt, dass seine Präsenz eher unangenehm in Erinnerung bleibt. Er hätte nach "Star Wars" einfach aufhören sollen. Sein Abgang im DORF DER VERDAMMTEN ist dementsprechend erbärmlich.

Für Carpenter-Fans ist das DORF DER VERDAMMTEN einen Blick wert, aber wer sich spannend und gruslig unterhalten möchte, dem sei dann doch der Klassiker ans Herz gelegt, der diesem öden Remake um Lichtjahre voraus ist.

04/10

Kommentare:

  1. Kicher...das mit Mark Hamill sehe ich ähnlich. Der kostet dem Film sogar einen ganzen Punkt Abzug.

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  2. Hi Ray, schlimm, oder? grins - Ich fand den aber auch schon in den "Star Wars"-Filmen schwach. Liebe Grüße!

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