Sonntag, 30. Mai 2010

Auf der Suche nach Mr. Goodbar (1977)

Die Geschichte eines Doppellebens - die junge Theresa (Diane Keaton) arbeitet tagsüber als Lehrerin für taubstumme Kinder, nachts zieht sie durch die Bars und reißt Männer auf. Dabei gerät sie schließlich an den falschen...

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, denn es ist gerade die Unvorhersehbarkeit, die AUF DER SUCHE NACH MR. GOODBAR (Looking for Mr. Goodbar) so sehenswert macht. Zu Beginn stellen sich dabei ein paar Längen ein, wenn wir das häusliche Leben Keatons und ihre Erlebnisse als Assistentin eines Uni-Professors, zu dem sie ein sexuelles Verhältnis pflegt, erleben. Als diese Beziehung abrupt endet und sie sich eine eigene Wohnung sucht, kommt der Film in Fahrt und schildert Keatons nächtliche Erlebnisse in einer Mischung aus Faszination und Abscheu.
Regisseur Richard Brooks bleibt stets dicht an seiner Protagonistin und erschafft durch die absolut realistische Darstellung des Großstadt-Nachtlebens einen fast dokumentarischen Charakter - man könnte ihn in gewisser Weise mit Friedkins "Cruising" vergleichen, nur dass hier eine weibliche Hauptfigur im Zentrum steht und der Film mehr Psychogramm als Thriller sein will. Die ständige Untermalung mit 70er Songs verstärkt den authentischen Charakter, und die Kamera von William Fraker hebt die Nachtszenen drastisch von den wenigen Tagszenen ab. Der assoziative Schnitt sorgt für eine beunruhigende Atmosphäre.

Diane Keaton zeigt in der Hauptrolle eine beeindruckende Vorstellung, auch wenn sie für die Rolle der widersprüchlichen Theresa nicht hundertprozentig geeignet ist. Sie hat einige Schwierigkeiten, die Abgründe der Figur darzustellen - oder wie Woody Allen einst sagte, Keaton kann immer nur Keaton spielen, darin ist sie so großartig wie keine andere, aber sie kann keine Nicht-Diane Keaton spielen. Dem kann man in diesem Fall zustimmen, nichtsdestotrotz besitzt Keaton eine so einnehmende Ausstrahlung, dass man das Interesse an ihrer Figur nie verliert. Auf ihren Streifzügen durch die Bars begegnet sie einer ganzen Palette von gestörten Männerfiguren. Der junge Richard Gere spielt hier lange vor seinem Durchbruch einen beängstigenden Psychopathen, einen Aufreißer, stets auf Droge und zu allem fähig. Den Biedermann mit neurotischem Innenleben verkörpert William Atherton, und ein ebenfalls sehr junger Tom Berenger spielt einen sexuell verwirrten Charakter (er führt eine schwule Beziehung und steckt voller Selbsthass), der schließlich Keaton zum Verhängnis wird.

Als Zuschauer braucht man ein wenig Durchhaltevermögen für diesen 135 Minuten langen Film, wird aber schließlich mit einer geradezu atemberaubenden Schluss-Sequenz belohnt, in welcher das Drama ins Horrorgenre abkippt und Keaton ein Schicksal erleidet, das so schrecklich und nervenzerrend inszeniert ist (die letzte Szene spielt sich bei flackerndem Stroboskop-Licht ab und ist fast unerträglich in ihrer Suggestivität), dass der Film seine FSK 18-Freigabe locker rechtfertigt, wobei diese wohl eher dem Umstand zu verdanken ist, dass der Film eine sexuell freizügige, selbstständige Frau schildert.

Einige Kritiker haben dem Film reaktionäre Tendenzen vorgeworfen, weil er die Erlebnisse eben jener sexuell aktiven Frau darstellt, die schlussendlich ihre "Strafe" erhält. Solche Anfeindungen greifen aber ebenso kurz wie die gegen De Palmas "Dressed to Kill", in welchem Angie Dickinson ähnliches erlebt wie Diane Keaton. Beide Filme sind nicht als Warnung an Frauen zu verstehen, lieber brav zu Hause und bei ihrem Ehemann zu bleiben, sondern sie zeigen eine von kranken Männern bevölkerte Welt, die Frauen mit Gewalt daran hindert, ihre geheimen Fantasien auszuleben. Sie sind daher mehr zynisch als konservativ.

AUF DER SUCHE NACH MR. GOODBAR ist leider nirgendwo auf DVD erschienen, gelegentlich kann man ihn im TV-Nachtprogramm erwischen.

09/10

Kommentare:

  1. Auf diese DVD Veröffentlichung warte ich auch schon lange, obwohl ich den Film noch nie gesehen habe und jede Ausstrahlung verpasst habe.

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  2. Hi Ray, das ist schade, ich finde ihn wirklich ausgezeichnet, auf VHS ist er aber wohl noch erhältlich (mit grauenvoll reißerischem Cover), allerdings - wie gesagt - ab 18 freigegeben, also nicht überall zu bekommen. Gruß!

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