Montag, 19. April 2010

Zabriskie Point (1970)

In der kalifornischen Wüste treffen sie aufeinander, Mark (Mark Frechette) und Daria (Daria Halprin). Sie ist beruflich unterwegs zu einem Treffen mit ihrem Chef (Rod Taylor), er ist auf der Flucht vor der Polizei, unschuldig gejagt wegen Mordes an einem Polizisten während der Studentenunruhen. Gemeinsam erleben sie ein paar Stunden der Unbeschwertheit, lieben sich, werden Teil eines Love-Happenings, bis sie dann von der brutalen Realität eingeholt werden...

ZABRISKIE POINT von Michelangelo Antonioni aus dem Jahr 1970 ist ein Filmerlebnis, das man schwer in Worte fassen kann, es ist ein Film der Bilder, Klänge, Emotionen und Assoziationen. Im Vordergrund steht Antonionis Gesellschafts- und Konsumkritik, weswegen ZABRISKIE POINT in den USA auf geradezu hasserfüllte Reaktionen stieß, zumal er dieses Stück puren Anti-Amerikanismus im Auftrag vom Hollywood-Riesen MGM produzierte, der sich schnell vom fertigen Film distanzierte. Antonionis Werk fand absurderweise sogar Eingang in das populäre Buch "The 50 Worst Movies Of All Time"! Heute ist er längst als cineastisches Meisterwerk anerkannt, wenn auch bei weitem nicht so bekannt wie Antonionis Porträt der 60er, "Blow Up".
Antonioni schildert hier nichts Geringeres als das Ende der Welt, den Zusammenbruch der Studentenbewegung, die kapitalistische Übernahme von allem, was Freiheit, Liebe und Frieden bedeutet. Die Bilder von Alfio Contini sind so atemberaubend, wie man es von einem italienischen Kameramann der 70er erwarten darf. Anders als "Blow Up" ist ZABRISKIE POINT kein verschlüsseltes Kunstwerk, das erst durch die Analyse erfasst werden kann, sondern wirkt unmittelbar, Antonionis Absichten und die Handlungen seiner Figuren bleiben durchweg verständlich. Seine beiden Hauptdarsteller waren Laien, die hier ihr Filmdebüt gaben. Nach den Dreharbeiten lebten sie gemeinsam in einer Kommune, Mark Frechette verstarb 1975 nach einem Banküberfall im Gefängnis. Leben imitiert die Kunst.

Drei Sequenzen bleiben jedem Zuschauer (sogar denen, die den Film wegen seiner Handlungsarmut ablehnen) für immer im Gedächtnis - Marks Flug in einem gekaperten Flugzeug über die Wüste, das gigantische Love-In, in welchem sich unzählige Liebespaare im Wüstensand zu einer bizarren Choreografie und Pink Floyd vereinen, und schließlich die brachiale Zerstörung der Konsumtempel- und Symbole in einer Schluss-Montage, die so gewaltig, wütend und gleichzeitig von so surrealer Schönheit ist, dass man nur noch niederknien und den Filmgöttern danken kann, dass es einen Antonioni gibt.

Zur DVD: Nach der katastrophalen DVD-Ausgabe aus der Reihe "Die besten Filme aller Zeiten und wie man sie kaputtmacht" (oder so ähnlich), kann sich diese neue Veröffentlichung von Warner wirklich sehen lassen. Der Film liegt im korrekten Cinemascope und erstaunlich guter Bildqualität vor, Ton ist Deutsch/Englisch (sowie weitere Sprachen), Untertitel sind vorhanden, als Extra gibt es den Trailer.

08/10

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