Dienstag, 20. April 2010

Trio Infernal (1974)

TRIO INFERNAL von Francis Girod verursachte einen handfesten Skandal bei seinem Erscheinen im Jahr 1974. Man konnte wenig anfangen mit diesem provozierenden, bizarren Mix aus Thriller, Gesellschaftsstudie, erotischem Dreiecksdrama und makaberer Komödie, dessen Qualitäten doch so offensichtlich sind.

Worum geht es? Rechtsanwalt Sarret (Michel Piccoli) betreibt mit den Schwestern Philomena (Romy Schneider) und Catherine (Mascha Gonska) einen schwunghaften Versicherungsbetrug, indem er die beiden hübschen Frauen an ältere Männer verkuppelt und gemeinsam mit seinen Komplizinnen diese nach erfolgter Eheschließung um die Ecke bringt, wobei es zu absurd-scheußlichen Szenen kommt, wie dem Beseitigen zweier Mordopfer per Säurebad, bei dem nicht nur Romy Schneider der Ekel packt.

Der eigentliche Skandal des Films aber lag in der amourösen Dreiecksbeziehung, die offen mit unverklemmter Nacktheit und animalischer Wollust schamlos auf die Leinwand gebracht wurde und durch den inzestuösen Charakter der gefährlichen Liebschaft noch verstärkt wird. Romy Schneider macht hier kurzen Prozess mit ihrer lieben "Sissi" und hat eine Menge Spaß dabei. Sie spielt die tödliche Verführerin, die aber immer mehr Skrupel bekommt, mit Lust an der Zerstörung eines verhassten Images. Ich bin immer wieder fasziniert und begeistert von ihrer Vielseitigkeit und der Hingabe, mit der sie derart komplexe Charaktere mit Leben erfüllt. Romy Schneider war und ist eine der größten Schauspielerinnen aller Zeiten, ich könnte mir eine Großaufnahme von ihr über Stunden ansehen, ohne gelangweilt zu sein. Piccoli ist nebenbei ebenso brillant als hundsgemeiner Mistkerl.

Regisseur Girod beschreibt in TRIO INFERNAL eine Gesellschaft im freien Fall. Hinter dem schönen Schein und den makellosen Frisuren lauern unaussprechliche Abgründe, Habgier und Grausamkeit. In dieser Welt ist nichts von Dauer oder Wert, weder Liebe, Leidenschaft noch Geld. Kein Wunder, dass der Film abgelehnt wurde, wer sieht schon gerne in einen so schonungslosen Spiegel?

Der Filminhalt basiert übrigens auf einem authentischen Fall - der reale Sarret wurde 1934 nach einem Sensationsprozess enthauptet. Wer nach sympathischen Identifikationsfiguren oder angenehmer Krimi-Unterhaltung sucht, ist hier definitiv falsch. TRIO INFERNAL ist ein böser Film voller verachtenswerter Charaktere, exquisites Schauspielkino und herrlich verdorben.

07/10

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