Donnerstag, 8. April 2010

Tanz der Hexen (1989)

Eines der größten Trash-Festivals stammt aus der Hand von B-Film-König Larry Cohen, der immer für eine Überraschung gut ist und im Laufe seiner Karriere einige geniale Filme wie "Die Wiege des Bösen" oder "God Told Me To" (1974/1976) inszenierte. Sein Hexen-Spektakel "Wicked Stepmother" bietet als Hauptattraktion die 80jährige Bette Davis in ihrer letzten Filmrolle. Um ihre Mitwirkung, bzw. ihren frühen Abschied aus der Produktion sind sich Filmchronisten allerdings bis heute nicht einig. Aber eins nach dem anderen.

Worum geht es? Bette Davis spielt eine kettenrauchende, dominante Rentnerin mit magischen Kräften, die im Sturzflug das Herz des liebenswerten Lionel Stander (Butler "Max" aus "Hart, aber herzlich") erobert, sehr zum Missfallen seiner biestigen Tochter (herrlich: Colleen Camp), welche alles daran setzt, die verqualmte Horror-Oma aus dem Haus zu treiben. Plötzlich aber verschwindet die greise Lady spurlos, und deren hinreißende Tochter (Barbara Carrera) taucht an ihrer Stelle auf... Ihr teuflischer Plan: Lionel Stander mit so viel Wissen zu füttern, dass er bei einer TV-Gameshow Unsummen Geldes gewinnt, um sich dann mit dem Zaster aus dem Staub zu machen und vorher die gesamte Familie auf Spielzeuggröße einzuschrumpfen...

Besagter Wechsel von Davis zu Carrera wurde praktisch über Nacht ins Drehbuch gezaubert, nachdem Bette Davis überraschend die Produktion verließ. Während einige Davis-Biografen die mangelnde Qualität des Films dafür verantwortlich machten (was angebracht wäre), erklärte Larry Cohen an anderer Stelle, dass Davis' Gesundheitszustand so schlecht war, dass sie die Dreharbeiten abbrechen musste. Aus Respekt vor der Leinwand-Legende, und um ihr keine weiteren Rollenangebote zu verbauen, einigte sich die Produktion auf die offizielle Version der "künstlerischen Differenzen". Auch diese Version macht Sinn, zumal Larry Cohen als loyaler und integrer Regisseur bekannt ist und Davis keinen gesunden Eindruck macht. Manche Szenen mit ihr besitzen durchaus den Charakter einer Freakshow.

Sei's wie es ist, "Tanz der Hexen" ist mit und ohne Davis ein grandioses Spektakel, das stets zwischen Genie und Wahnsinn schwankt. Einige Einfälle sind urkomisch (etwa eine polizeiliche Gegenüberstellung, bei der statt Verbrecher eine Horde alter Frauen aufmarschiert, oder wenn Davis ihrer schockierten Schwiegertochter detailliert vom Sex mit dem Papa berichtet), viele andere dagegen peinlich.

Unterhaltsam ist diese Horror-Komödie aber von Anfang bis Ende, auch wegen der wirklich schlimmen Spezialeffekte. So werden unter Davis' Zauber mehrere Menschen miniaturisiert, und das schöne Heim der Protagonisten im Finale bis auf die Grundmauern zerstört. Das geschieht alles unter Einsatz von herrlich altmodischen Stop-Motion-Effekten und grauenvoll schlechten Rückpros. Natürlich nimmt sich der Film selbst keine Sekunde ernst, so kann und soll man auch diese Ausfälle als bewussten Trash verstehen.

Der Normalzsuchauer dürfte damit aber seine Schwierigkeiten haben - nicht umsonst wurde der Film auch zu einem gewaltigen Flop und wird oft unter den schlechtesten Filmen aller Zeiten aufgelistet. Ein Schwanengesang für die einzigartige, unsterbliche Bette Davis ist er in der Tat nicht, obwohl die Hollywood-Diva in ihren Szenen den Eindruck macht, als habe sie viel Spaß an den absurden Albernheiten der Geschichte. Nicht nur thematisiert Larry Cohen hier ihr berühmt-berüchtiges Kettenrauchen bis zum Exzess (bei ihrem Auftritt ist sie vor lauter Qualm nicht zu sehen), er baut auch noch einen weiteren genialen Insider-Gag ein, nämlich wenn wir ein Bild von Colleen Camps verstorbener Film-Mama sehen, deren Platz die Hexen-Oma Davis schamlos eingenommen hat. Das Foto der ach so herzigen Mama zeigt ausgerechnet Joan Crawford, Erzrivalin von Bette Davis und eine legendäre Sadistin, wenn man den Memoiren ihrer beleidigten Tochter Glauben schenken darf.

Weitere Highlights von "Tanz der Hexen": "Sledgehammer" David Rasche als überforderter Ehemann von Colleen Camp, Richard Moll als trotteliger Privatdetektiv, sowie Hollywoodstar Evelyn Keyes ("Vom Winde verweht") als Hexen-Gelehrte. Dazu gibt es noch eine geschrumpfte Familie, die im Schuhkarton lebt, und jede Menge Slapstick.

"Tanz der Hexen" ist ein moderner Trash-Klassiker - ein Film, bei dem man nie weiß, ob man lachen, weinen oder einfach nur den Kopf schütteln soll. Sehenswert ist er allemal, wenn auch auf seine verschrobene Weise. Als letzter Film der großartigen Bette Davis besitzt er natürlich seinen eigenen Kultstatus.

05/10

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