Mittwoch, 21. April 2010

Sphere (1998)

Nach einer Vorlage des Bestseller-Autors Michael Crichton (genauer gesagt, einem seiner besten Romane) inszenierte der eher auf anspruchsvolles Kino abonnierte Barry Levinson diesen Science-Fiction/Unterwasser-Thriller mit Starbesetzung und großem Budget. Die Erwartungen waren entsprechend hoch, die Enttäuschungen groß. Ähnlich wie ein Jahrzehnt zuvor James Camerons "The Abyss" ging SPHERE an den Kinokassen komplett baden.

Die Story: ein Team von Wissenschaftlern soll ein außerirdisches Raumschiff untersuchen, das auf dem Meeresgrund gefunden wurde. Wie sich schnell herausstellt, handelt es sich um ein amerikanisches Flugobjekt, das aus der Zukunft dort gestrandet ist. An Bord befindet sich zudem eine überdimensionale, geheimnisvolle Kugel. Bald schon wird die Unterwasser-Station von Kraken, Quallen und anderen Monstern angegriffen. Nur - sind diese Bedrohungen real, oder entspringen sie lediglich der paranoiden Fantasie der Team-Mitglieder? ...

Entegen der landläufigen Kritikermeinung halte ich SPHERE für einen hervorragenden Sci-Fi-Thriller, der nur knapp daran vorbeischrammt, wirklich brillant zu sein, und das liegt in erster Linie daran, dass sich die Drehbuchautoren nicht entscheiden konnten, welche Elemente sie aus der Romanvorlage übernehmen bzw. weglassen sollen. Daher wirkt der Film stellenweise leicht konfus und unrhythmisch, zu viel Zeit wird mit technischem Erklärungs-Blabla verschwendet und zu viele überflüssige Hintergrundinformationen der Figuren lenken von der Handlung ab. Meine Vermutung wäre, dass es so viele unterschiedliche Drehbuchfassungen und Schnittversionen gab, dass am Ende niemand mehr recht wusste, wie die Ereignisse in einen straffen erzählerischen Zusammenhang zu bringen sind. Offenbar waren da einfach zu viele Köche am Brei, nichts Ungewöhnliches bei einer solchen Prestige-Produktion.

Die Idee einer außerirdischen Macht, die unbewusste Ängste der Menschen materialisiert, ist im Sci-Fi-Genre nicht neut und wurde von "Alarm im Weltall" (1957) über "Solaris" (1972) bis zu "Event Horizon" (1997) mehrfach bedient. Zusätzlich erzählt SPHERE eine Begegnung mit einer außerirdischen Intelligenz namens "Jerry", bei der es sich aber - wie sich spät herausstellt - um das Unterbewusstsein des von Samuel L. Jackson gespielten Mathematikers "Harry" handelt. Dieser Strang nimmt im Roman den meisten Raum ein und wird von Michael Crichton faszinierend geschildert, im Film führen die Auseinandersetzungen mit "Jerry" allerdings ins Nirgendwo (und schlimmer, zu einer unfreiwillig komischen Szene, in der Psychiater Dustin Hoffman eine Therapiestunde mit dem unsichtbaren "Alien" abhält). Sie wären besser nicht übernommen worden, denn die materialisierten Urängste der Team-Mitglieder allein hätten einen hochspannenden Thriller abgegeben.
Außerdem müssen sich die Charaktere zu oft unglaubwürdig verhalten - so scheint der Tod zweier Mitarbeiter niemandem viel auszumachen, und Expeditionsleiter Peter Coyote muss angestrengt "böse" agieren, bar jedes gesunden Menschenverstandes.

Nun aber zum Positiven, und davon gibt es reichlich.
Die Tricks, Kameraarbeit und Ausstattung sind erstklassig. Nicht nur wirkt sämtliches technische Equipment authentisch (und besteht nicht nur aus blinkenden Lämpchen und Modellen wie in ähnlichen Filmen), auch die CGI-Effekte sind kaum gealtert und wirken über zehn Jahre später noch überzeugend.
Elliot
Goldenthal hat einen seiner besten und packendsten Scores für den Film komponiert. Der Vorspann ist wundervoll gestaltet, und nicht zuletzt ist es das hervorragende Ensemble, das diese B-Geschichte sehenswert macht. Sharon Stone bekommt ein wenig zu viel "coole Oneliner", die man wohl von ihr erwartet, liefert ansonsten aber eine fabelhafte Darstellung. Samuel L. Jackson bleibt durchgehend mysteriös ("Wir werden hier unten alle sterben!"), Dustin Hoffmans Präsenz in diesem Genrefilm ist erfrischend ungewöhnlich (er muss mehrere Stunts absolvieren, die man zuvor nie von ihm gesehen hat), und Liev Schreiber bekommt die humorvollsten Dialoge zugeteilt, hat aber auch das Wort "todgeweiht" vom ersten Auftritt an auf der Stirn stehen.

Alles in allem bietet SPHERE eine dichte Atmosphäre, enorme Production Values und ein paar hochspannende Sequenzen. Leider ist er nicht hunderprozentig gelungen, und die Fans des Romans waren zu recht enttäuscht. Was Mainstream-Unterhaltung mit Star-Power angeht, kann ich SPHERE bedenkenlos empfehlen.

Dies ist einer dieser Filme, die ich trotz der Schwächen immer wieder gern sehe - natürlich auch, weil ich Unterwasserfilme grundsätzlich und Sharon Stone sowieso liebe, aber das sagte ich wohl schon mehrfach...

7,5/10

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