Dienstag, 20. April 2010

Picknick am Valentinstag (1975)

PICKNICK AM VALENTINSTAG (Picnic at Hanging Rock) ist eines der bizarrsten und seltsamsten Werke der Filmgeschichte. Gedreht vom jungen Peter Weir (seinerzeit noch in Australien) ist er Horrorfilm, romantisches Drama, Parabel und Märchen zugleich.

Der Film erzählt von einer Gruppe junger Internatsmädchen, die um die Jahrhundertwende einen Ausflug zum "Hanging Rock", einer sagenumwobenen Felsformation, machen, von dem einige nicht zurückehren - und niemand weiß, wo sie geblieben sind. Jede Suche bleibt erfolglos. Bis eines der Mädchen plötzlich zurückkehrt, unter Schock. Was ist passiert?

Die Atmosphäre ist von den sonnendurchfluteten Bildern bis zur Panflötenmusik gleichzeitig poetisch und schaurig. Die strenge Moral des viktorianischen Zeitalters ist perfekt eingefangen - die freudige Erregung der Schülerinnen, denen beim Ausflug erlaubt wird, ihre Handschuhe abzulegen, ist ein deutliches Symbol für die Verklemmung der Zeit, und auch sonst wimmelt es nur so von eindeutig sexuellen Metaphern. Es ist ein Film der Frauen, die wenigen männlichen Darsteller spielen nur eine untergeordnete Rolle. So ist PICKNICK AM VALENTINSTAG in erster Linie ein Film über das sexuelle Erwachen, die Befreiung des Körpers, das Mysterium des Erwachsenwerdens und die Regeln einer menschlichen Zivilisation (Internat) in Relation zu einer urgewaltigen Natu (der Felsen). Die Jahrhundertwende steht dabei für die Zeit der äußersten Strenge. Das gleiche Thema findet sich auch in Weirs Folgefilm "Die letzte Flut", der vom Gegensatz der modernen Großstadt zur Welt der Aborigines erzählt.

Wem sich dieser Zugang verschließt, wird den Film aufgrund seiner Action- und Handlungsarmut vermutlich langweilig finden, auch das offene Ende dürfte viele frustrieren. PICKNICK AM VALENTINSTAG ist nicht zu erklären, schwer zu fassen, aber von der ersten bis zur letzten Minute fasznierend und fesselnd. Ich persönlich liebe PICKNICK AM VALENTINSTAG und kann ihn Cineasten, die mehr als oberflächliche Unterhaltung suchen, nur ans Herz legen.

10/10

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