Dienstag, 20. April 2010

Nachtblende (1975)

NACHTBLENDE von Arthaus-Regisseur Andrzej Zulawski aus dem Jahr 1975 gehört zu den besten Filmen der unvergessenen Romy Schneider.
Zusammen mit den Ausnahme-Schauspielern Fabio Testi und Klaus Kinski entfacht sie ein derart atemberaubendes Darsteller-Feuerwerk, dass einem der Atem stockt.

Es geht um die Schauspielerin Nadine (Schneider), die gern bedeutende Rollen in anspruchsvollen Theater-Inszenierungen spielen möchte, sich aber aus der Not heraus für billige Sexfilme hergibt. Wenn der Film beginnt, sehen wir sie in einer solchen Szenerie, und den Satz "Ich liebe dich" kann sie nicht sagen. Sie ist ausgebrannt, fertig, kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Ihre Ehe ist eine Farce, ein kurzer beruflicher Hoffnungsschimmer wird zum Alptraum, die Bekanntschaft mit einem Fotografen, der sich als Paparazzi verdingen muss (Testi) verspricht Liebe, aber was bringt Liebe? Wenn es nach dem Originaltitel gibt, alles ("Was zählt, ist Liebe").

Man ist geneigt, viel von der privaten Romy Schneider in den Film hineinzulesen, doch da muss man vorsichtig sein. Tatsächlich geht nicht nur ihre Figur Nadine an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, auch die Schauspielerin Romy Schneider und ihr Regisseur tun dies mit sensationellem Mut und Intensität. Dass NACHTBLENDE kein gewöhnlicher, handlungsbetonter Unterhaltungsfilm ist, versteht sich von selbst. Hier geht es um Menschen, um echte Gefühle, echte Leidenschaft, echten Absturz. Um Künstlerträume und Hoffnungen, die an der Realität so brutal scheitern, dass sie die Menschen zerstören. Um Exzentriker (Klaus Kinski in einer beeindruckenden Rolle als Schauspieler, der keine Gnade kennt - also streng genommen als er selbst), um ein knallhartes Geschäft, in dem man kaum überleben kann, ohne sich zu prostituieren und/oder seine Seele zu verkaufen. Wer das Theater, das Arthaus-Kino oder Romy Schneider liebt, wird NACHTBLENDE verschlingen. Es gibt viele gute Filme, aber nicht viele haben diese Gier nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit.

08/10

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