Montag, 26. April 2010

Mord im Spiegel (1980)

James Bond-Regisseur Guy Hamilton übernahm 1980 die Regie des Star-Vehikels THE MIRROR CRACK'D (Mord im Spiegel), einer weiteren Agatha Christie-Verfilmung, mit der an die erfolgreichen Vorgänger "Mord im Orientexpress" (1974) und "Tod auf dem Nil" (1978) angeknüpft werden sollte, was aber nur teilweise gelang.

Angela Lansbury spielt hier die berühmte Miss Marple, in deren friedliebendes Dorf eine Horde von Hollywood-Stars einfällt, um einen Film über Maria Stuart zu drehen. Zuerst stürzt Miss Marple unglücklich und muss fortan am Stock gehen, dann wird bei einem Empfang der Leinwandgrößen eine Dorfbewohnerin vergiftet... aber galt der Mordanschlag wirklich ihr?

Das britische Dörfchen kann natürlich schwer mit dem Orient-Express oder Ägyptens Sehenswürdigkeiten konkurrieren, dementsprechend kleiner und beschaulicher ist diese Verfilmung ausgefallen.
Hauptattraktion sind natürlich die Hollywood-Stars Elizabeth Taylor, Kim Novak und Rock Hudson, die Anfang der 80er nicht gerade täglich im Kino zu sehen waren. Sehenswert ist MORD IM SPIEGEL dann auch in erster Linie wegen der geschliffenen Dialoge, insbesondere der zickigen Beleidigungen, die sich Taylor und Novak als verfeindete Top-Stars unentwegt an den Kopf werfen. Geraldine Chaplins sarkastische Kommentare schließen sich nahtlos an.

Die Dialoge können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Spannungskurve nicht gerade in schwindelerregende Höhen steigt. Der Mord und dessen Aufklärung bleiben merkwürdig uninteressant. Die Tatsache, dass Miss Marple gar nicht selbst ermittelt, sondern mit bandagiertem Fuß zu Hause sitzt und stattdessen deren Neffe vom Scotland Yard die Verhöre durchführt, hilft ebenfalls wenig - auch wenn besagter Neffe von Edward Fox brillant gespielt wird (er liefert die mit Abstand beste Darstellung in diesem doch sehr selbstgefälligen Ensemble).

So muss man sich dann an die Stars halten, und die haben auch schon bessere Tage gesehen. Elizabeth Taylor wird in absurde Gewänder und Hauben gesteckt, die ihre üppige Figur (erfolglos) verbergen sollen und eher für Spott sorgen. Auch Guy Hamilton und sein Kameramann fangen nicht immer die besten Seiten der Diva ein, um es mal vorsichtig auszudrücken (in einer Szene wirft sie sich Hudson in die Arme, der darauf nach hinten umfällt, was sehr uncharmant wirkt). In einer Rückblende, die Taylor Jahrzehnte zuvor bei der Truppenbetreuung zeigt, wirkt sie kein einziges Jahr jünger und wird in den Totalen offensichtlich gedoubelt.
Dafür gehört ihr aber auch der beste Moment des Films, wenn sie kurz vor dem Mord wie versteinert dasteht und ein Bild anstarrt, das für die spätere Auflösung von Bedeutung ist. In diesem Augenblick stellt sie ihre faszinierende Leinwand-Magie und Präsenz nachhaltig unter Beweis. Kim Novak hat sich fantastisch gehalten und spielt mit Freude die vulgärste und dümmste Schauspielerin aller Zeiten, Rock Hudson wirkt leider durchweg müde und ausgebrannt (er starb 5 Jahre später), Geraldine Chaplin ist dagegen wie immer hinreißend. Angela Lansbury kann die Erinnerung an Margaret Rutherfords Miss Marple leider nicht verblassen lassen, so sehr sie sich auch bemüht.

Ein weiteres Manko des Films besteht darin, dass der Zuschauer an der Aufklärung des Mordes nicht beteiligt wird, weil ihm dafür schlicht die nötigen Hintergrund-Informationen fehlen. Das war teilweise auch bei früheren Christie-Verfilmungen so, aber hier hinterlässt der Schluss - der eigentlich tragisch bewegend sein müsste - einen eher unbefriedigenden, schalen Nachgeschmack.

Zu Beginn macht sich Guy Hamilton mit einem Film-im-Film über die typisch britischen Whodunits lustig. Zwei Jahre später inszenierte er mit "Das Böse unter der Sonne" eine weitere und bessere Christie-Verfilmung. Insgesamt kann MORD IM SPIEGEL aufgrund der Dialoge und Star-Power gut unterhalten, wenn man nicht zuviel erwartet.

07/10

Kommentare:

  1. das ist auch mir vom Film in Erinnerung geblieben: die Auftritte von La Liz und Kim Novak! Und wie sie beide in einer völlig blöden Maria Stuart Verfilmung mitwirken. Gab's einen Mord?

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  2. Gestern nacht kam "Das Böse unter der Sonne" wieder im TV (irgendwie läuft der jeden Tag), den kann ich immer wieder sehen. Liebe Grüße!

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