Dienstag, 20. April 2010

Lisa und der Teufel (1974)

"Lisa und der Teufel" gehört zweifellos zu den merkwürdigsten und hypnotischsten Werken des italienischen Meister-Regisseurs Mario Bava. Der Inhalt: Elke Sommer gerät in ihrem Spanien-Urlaub in eine abgelegene Villa, in welcher der Satan persönlich (Telly Savalas) das Regiment zu führen scheint. Der Sohn der Hausbesitzerin (Alida Valli) glaubt, in ihr seine verstorbene Geliebte wieder zu erkennen. Die arme Elke erlebt eine Nacht des Schreckens... oder war womöglich alles nur ein Traum?

Der Hintergrund: nach dem finanziellen Erfolg von "Baron Blood" bekam Bava von seinem Produzenten Alfredo Leone die völlige Freiheit, ein Projekt seiner Wahl zu realisieren, und Bava wählte "Lisa". Er kreierte einen kompromisslosen, "puren" Film mit Bildern voll bizarrer Schönheit, in denen Tod und Verfall das Leitmotiv bilden. Der Inhalt ist dabei nebensächlich, was den Film für unvorbereitete Zuschauer wohl eher schwer zugänglich macht. Logik spielt keine Rolle, viele der Ereignisse ergeben erzählerisch überhaupt keinen Sinn, Humor ist praktisch nicht vorhanden. Die Story ist nicht mehr als ein roter Faden, und man weiß nie, was real, was geträumt, was Rückblende oder was Halluzination ist. Ist Lisa tatsächlich die Wiedergeburt einer großen Liebe? Ist Telly Savalas wirklich der Teufel? "Lisa" liefert keine Antworten, sondern wirft nur Fragen auf.

Der Film schwelgt in morbider, traumartiger Atmosphäre. Er ist extrem langsam und legt größten Wert auf kleinste Details in Ausstattung, Kostüm und Lichtgebung, was ein mehrmaliges Sehen immer wieder faszinierend macht (so sind z.B. sämltiche Uhren im Haus so tot wie die Bewohner). Bava inszeniert einen fantastischen Todesreigen in berauschenden Farben, der seiner Zeit so weit voraus war, dass der Film seinerzeit unverstanden und erfolglos blieb. Hätte David Lynch heute "Lisa" gemacht, wäre er als Meisterwerk unbestritten, aber 1972 war Bavas Weigerung, sich filmischen Regeln zu unterwerfen, ein finanzielles Todesurteil. Allein die Darstellung von Nekrophilie (Der junge Graf will seine tote Geliebte nicht wieder lebendig wissen, er möchte sich mit ihr im Tod vereinen) dürfte gereicht haben, das damalige Publikum zu entsetzen.
Dies veranlasste Produzent Leone dazu, "Lisa" vollkommen umzuschneiden und zusätzliche Szenen einzufügen, in denen Elke Sommer vom Teufel besessen ist und von einem Priester exorziert wird. Das Ganze nannte er "House of Exorcism" und sollte im Zug der "Exorzist"-Welle die Zuschauer ins Kino locken, waas offenbar auch funktioniert hat. Selten wurde ein künstlerisches Meisterwerk dermaßen vergewaltigt. Aber so existieren heute zwei Versionen des Films.

09/10

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