Dienstag, 20. April 2010

L.A. Story (1991)

Kann es in einer oberflächlichen Stadt wie Los Angeles ein tiefgründiges Gefühl wie Liebe geben? Ist es möglich, zwischen Fitnesswahn, Autojagden, Erdbeben und Filmkritikern seinen Seelenverwandten zu finden?

Ja, wenn es nach Steve Martin geht, der das Drehbuch zu L.A. STORY schrieb und die Hauptrolle übernahm.
Ihm und Regisseur Mick Jackson ist ein wundervoll warmherziger und gleichzeitig bissig-ironischer Film gelungen, der sich nie für seinen hemmungslosen Kitsch schämt und diesen mit treffenden Beobachtungen über den alltäglichen Wahnsinn einer durchgeknallten Metropole auffängt.

Steve Martin spielt einen TV-Meteorologen und studierten Philosophen, der seinen Job verliert, weil er das Wetter bereits im Voraus vorhersagt und sich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens befindet. Dabei verliebt er sich in die Britin Victoria Tennant (Martins damalige Ehefrau im wahren Leben), die ihre Vorurteile gegenüber L.A. überdenken muss. Aus Angst vor einer ernsthaften Beziehung stürzt sich Martin in eine Beziehung mit der überdrehten Sarah Jessica Parker (die dem Wort "zappelig" eine ganz neue Bedeutung gibt), doch wenn die Liebe einmal zuschlägt, ist man ihr hilflos ausgeliefert...

Martin und Jackson erzählen L.A. STORY deutlich im Stile Woody Allens. Es wird pausenlos geplappert, während nebenbei alltägliche Katastrophen passieren und sämtliche Charaktere sich auf der Suche nach dem richtigen Partner befinden und immer an den falschen geraten. So ist L.A. STORY gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Stadt als auch eine Abrechnung mit ihr. Ob es um die Schwierigkeiten geht, in einem angesagten Restaurant einen Tisch zu bekommen, oder um die obskure Freizeitgestaltung (Martin führt eine Rollschuh-Performance im Museum auf, Sarah Jessica Parker lädt ihn zum nachmittäglichen Einlauf ein), L.A. steckt voller Skurrilitäten. "Ich war zutiefst unglücklich, aber das merkte ich nicht, weil ich die ganze Zeit so glücklich war", beschreibt Martin sein Leben in der Stadt, in der es keine Depressionen geben darf.

Der wohl schönste Einfall des Films ist die sprechende Autobahn-Leuchttafel, die Steve Martin mehrfach den Weg weist, in vielerlei Hinsicht. So ist L.A. auch ein magischer Ort, an dem man den Zauber der Liebe wie eine elementare Wucht empfängt, gegen die man machtlos ist.
Neben Woody Allen wird auch Shakespeare ausgiebig zitiert (Insbesondere "Hamlet" und "Der Sturm", der sozusagen die Vorlage liefert), begleitet wird das muntere Treiben von einem Soundtrack-Mix aus klassischem Jazz (wieder Woody Allen) und mystischen Enya-Klängen, die ich normalerweise nur schwer ertrage, die hier aber ausgezeichnet funktionieren.

Am meisten erstaunt die Tatsache, dass L.A.STORY so verrückt und turbulent beginnt, um sich später zu einer der schönsten Liebesgeschichten des 90er Jahre-Kinos zu entwickeln. Zwischen Martin und Tennant stimmt die Chemie, und man will, dass sie gegen alle Widerstände zusammenkommen - auch wenn diese Widerstände eher klischierter Natur sind. Allein die Sequenz, in der beide durch einen verwunschenen Garten laufen und sich plötzlich als Kinder in viel zu großen Schuhen wiederfinden, spricht für den unglaublichen Einfallsreichtum des Films. Das Ensemble, zu dem sich u.a. auch Woody Harrelson und Chevy Chase in Kurzauftritten gesellen, befindet sich in höchster Spiellaune.

Steve Martin hat in den letzten Jahren sein Talent leider an belanglose Disney-Produktionen und die schrecklichen "Pink Panther"-Neuverfilmungen verschwendet, in denen er hauptsächlich nur grimassiert. L.A. STORY ist dagegen ein erwachsener Film voller Witz und Sarkasmus. Sehr empfohlen!

09/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...