Dienstag, 20. April 2010

La Luna (1979)

"La Luna" von Bernardo Bertolucci erzählt von einer amerikanischen Opernsängerin (Jill Clayburgh), die nach dem Tod des Ehemannes mit ihrem 15jährigen Sohn (Matthew Barry) in Italien lebt. Um Verlust und Einsamkeit zu verkraften, greift der Sohn zu Heroin, und als seine Mutter - vor lauter Arbeit und Verpflichtungen bislang blind für die Bedürfnisse ihres Kindes - dies merkt, geraten beide in einen Teufelskreis aus Abhängigkeiten, der bis zu Inzest führt.

"La Luna" ist ein großes Meisterwerk des Kinos, nicht mehr und nicht weniger. Bertolucci, der nie vor schwierigen Themen zurückschreckte, erzählt seine höchst brisante, melodramatische Geschichte (im Grunde eine große tragische Oper, die in der Opernwelt des Films gespiegelt wird) mit Detailbesessenheit, Mut und unglaublicher Itensität, vor allem aber in atemberaubenden Bildern, eingefangen vom vielleicht besten Kameramann aller Zeiten, Vittorio Storaro. "La Luna" schwelgt in opulenten Bildern in goldenen und erdbetonten Farben. Trotz seines düsteren Themas und der intimen Zweiergeschichte ist "La Luna" ein heller, sonnendurchfluteter und weiträumiger Film mit vielen Außenaufnahmen an ungewöhnlichen Original-Schauplätzen in Rom. Die Stadt bekommt durch Bertoluccis Inszenierung und die Auswahl der Sets einen ganz eigenen Charakter, der Teil der Geschichte wird und nie zur typischen Postkarten-Idylle verkommt.

Die Darstellerleistung von Jill Clayburgh ist schlicht grandios. Wie üblich bei Bertoluccis Hauptdarstellerinnen darf sie keine Scheu zeigen, weder vor äußerlicher Nacktheit noch vor Entblößung ihrer Seele, und sie gibt sich und ihr Talent vollkommen dem Film hin. In Matthew Barry hat Bertolucci die perfekte Verköperung eines zerrissenen, schwierigen Außenseiters gefunden, der mit sich und der Welt nichts anfangen kann. Wenn er, der einsame und verlorene Amerikaner, in einer heruntergekommenen italienischen Bar mit einem Eis in der Hand und im Rausch der Droge wie verzaubert zu der Musik aus "Saturday Night Fever" tanzt, die aus einer Musicbox kommt, entsteht ein großer magischer Kino-Augenblick.

Der Schlüssel zu "La Luna" befindet sich übrigens bereits in den ersten beiden Sequenzen, die den Prolog zur Erzählung bilden. In ihnen sind alle Symbole und Zeichen enthalten, die man zum Verständnis des Films braucht. Mutterliebe, Honig, Nabelschnüre und - der Mond.

09/10

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