Dienstag, 20. April 2010

Klute (1971)

"Klute" gehört zu den besten amerikanischen Filmen der 70er, nicht nur wegen der sensationellen Leistung von Jane Fonda, die für ihre Darstellung des Callgirls Bree Daniels ihren verdienten ersten Oscar erhielt.

Der Film erzählt von dem Privatdetektiv John Klute (Donald Sutherland), der auf der Suche nach einem verschwundenen Geschäftsmann und Familienvater an eben jenes Callgirl gerät, das selbst von einem obsessiven Mörder verfolgt wird...

Regisseur Alan J. Pakula gelingt tatsächlich eine sehr schwierige Mischung aus Charakterstudie, Psychogramm und Thriller, wobei man objektiv sagen muss, dass der Thriller ihn weniger interessiert. Die Darstellung der New Yorker Halbwelt, in die der kühle und etwas naive Klute gerät, sowie die Auslotung von Fondas vielschichtigem Charakter faszinieren ihn über weite Strecken deutlich mehr, und der Plot gerät etwas ins Abseits. Dennoch schafft er es, Szenen von unheimlicher Spannung zu erzeugen, etwa wenn Jane Fonda am Telefon mit dem unsichtbaren Mörder spricht, der eine sexuelle Fixierung auf sie entwickelt hat, oder wenn sie allein in einem Fabrikgebäude eben jenem Mörder unerwartet gegenübersteht. Begleitet wird dies von der fantastischen Musik von Michael Small, dessen Score sehr an Ennio Morricones Soundtrack zu Dario Argento's "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" erinnert (so trägt übrigens auch der Mörder in "Klute" schwarze Handschuhe).

Trotz aller Thriller-Einlagen und dem realistischen Abbild der New Yorker Drogen- und Callgirlszene ist aber "Klute" letzten Endes Jane Fondas Film. Ihr Spiel ist mitreißend realistisch, ihre Bree Daniels jenseits aller Huren-Klischees gleichzeitig abgebrüht, unschuldig, hilflos, unsicher und grausam. Als Callgirl ist sie sowohl Opfer und Täter. Wenn sie zu Beginn des Films beim Casting für eine Werbung in einer Reihe von Models sitzt, die von den "Prüfern" wie Vieh betatscht und beurteilt werden, dann wird schnell klar, dass es in diesem Film kein Schwarz oder Weiß gibt. "Klute" stammt aus einer Zeit, als das Publikum bereit und offen war für Verlierer, Antihelden und die unglamouröse Abkehr vom amerikanischen Traum.

Donald Sutherland spielt neben Fonda einen vollkommen anderen Charakter, er ist zugeknöpft und emotionslos, und seine minimalistische Darstellung ist nicht minder beeindruckend. In einer Nebenrolle glänzt Roy Scheider als abstoßender Zuhälter. ALan J. Pakula zeigt übrigens eine Faszination für abgehörte Telefonate, die im Film eine wichtige Rolle spielen (der Mörder und auch Sutherland nehmen Fondas Telefonate bzw. Unterhaltungen auf Tonband auf). In seinem späteren Meisterwerk "Die Unbestechlichen" über den Watergate-Skandal sollte diese Faszination noch stärker zum Ausdruck kommen.

"Klute" ist anspruchsvolles Kino der 70er, ein realistischer Thriller mit Tiefgang, einer beeindruckenden Jane Fonda und einem intensiven, hochspannenden Finale. Ein Film, der sich klar an ein erwachsenes Publikum richtet, das ebenso viel Interesse an Thriller-Spannung wie an der Darstellung eines realistischen, bedrückenden Milieus und Charakteren hat, die sicher nicht jedermanns Sache sind.

09/10

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